Armins Kriegsplan zur Vernichtung der Legionen 83
Jmmermehr verstehen wir nun beim Rückblick auf den so meisterhaft undmit solchen Ausmaßen entworfenen Plan des verwegenen Cheruskers dieCharakterschilderung des Vellejus Paterculus, der als römischer Reiteroberstgewiß auch Armin persönlich gekannt hat. Dieser gibt seinen Eindruck infolgenden Worten wieder: „Ein Jüngling von edlem Geschlechte, tapfererHand, schnellem Sinne, gewandt im Geiste, mehr als Barbaren es sind,namens Arminius, Sohn des Segimerus, Fürsten des Stammes, ein Jüng-ling, aus dessen Antlitz und Augen geistiges Feuer leuchtete, der unser steterBegleiter auf den früheren Feldzügen gewesen war und der neben demrömischen Bürgerrecht den Rang eines römischen Ritters inne hatte, benutztedes Feldherrn Schläfrigkeit zu einer Freveltat." Wenn wir nun versuchen,die Ausführung des Arminschen Überrumpelungsplanes nachzuzeichnen, sohaben wir zunächst zu untersuchen, wie es dem Armin möglich war, unbe-merkt hinter dem Rücken der Römer so gewaltige Truppenmassen zusammen-zuziehen. Wir hoffen, der Lösung dieser Frage auf einem Wege näherzu-kommen, der bislang noch nicht beschütten worden ist. Er ist aber bereits imzweiten Teil unserer Kapitelüberschrift angedeutet: Die verräterische Preis-gabe der Etappenstationen und die ersten Kämpfe im Arnsbergerwalde.Diesem Gegenstande wenden wir uns jetzt zu.
Auf die Botschaft, daß südlich der mittleren und unteren Ruhr einAufstand ausgebrochen sei, war Varus, alle Warnungen mißachtend, ausseinem Sommerlager auf dem Sintfeld, zwischen Marsberg a. d. Diemel undBrenken a. d. Alme, abgerückt. Er nimmt, wie wir wissen, seinen ganzenTroß mit, was den sicheren Schluß gestattet, daß es keineswegs sich um dieAbsicht einer Rückkehr ins Sommerlager, ebensowenig um Beziehen eineszweiten Sommerlagers, sondern um die Rückkehr ins Winter-lager, als welches wir Köln annehmen, gehandelt hat. Bei dieserGelegenheit sollte nun auch in dem von uns beschriebenen Gebiet dergemeldete Aufstand niedergeworfen werden. Wenn wir die in Frage kom-mende Marschlinie im allgemeinen andeuten wollen, können wir sagen, daßdieselbe durch die Orte Fürstenberg (auf dem Sintfeld), Arnsberg,Lüdenscheid, Wipperfürth nach Köln zu führen sollte. Varusmochte damit rechnen, daß etwa zwischen Arnsberg und Valve dieersten Kämpfe mit den Aufständischen zu erwarten ständen. Hätte es sichnicht um eine wirklich gefährliche Bewegung gehandelt, so hätte Varus wohleine oder gar zwei Legionen auf der üblichen Etappenstraße (Haarstrang,Seseke, Lippe) nach Vetera entsandt.
Aber er hielt um so lieber seine ihm noch verbliebenen Truppen zu-sammen, als es ohnedies schon keine vollzähligen, sondern etwas herab-geminderte Truppenkörper waren. Hatten es doch die Verschworenen ver-mocht, Varus zu nicht unerheblichen Abkommandierungen zu ver-anlassen. Wie die Vorbereitung des Überfalls, so war auch die Durch-führung desselben ein diplomatisches Meisterwerk, zu dem Armin nichtfähig gewesen wäre, wenn er nicht bei den Römern selbst in die Schulegegangen wäre. Wir müssen, um die Mittel zur Ausführung seines Planeszu begreifen, vier Angaben des Dio Cassius scharf ins Auge fassen und zueinem ursächlichen Zusammenhang miteinander verbinden. Zunächst erfolgennämlich auf Armins Vorschlag viele Abkommandierungen, teils um