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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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82 Die Varusschlacht

im Jahre 15 n. Chr. Segestes in seiner Bedrängnis, in die er gegenüber dervon Armin geführten Kriegspartei geraten war, Hilfsboten an Germaniensentsandte, hatte er dieser Gesandtschaft auch seinen Sohn Segimuntusbeigegeben.Doch der Jüngling" schreibt Tacitus weiterwar vollBedenken, weil sein Gewissen nicht rein war. In dem Jahre nämlich, inwelchem Germaniens abfiel, hatte er, zum Priester bei dem Altare der Ubiererwählt, seine P r i e st e r b i n d e n zerrissen und sich zu den Rebellengeflüchtet." Offenbar haben wir in diesem Segimuntus, dem Bruder derThusnelda, einen und zwar sehr einflußreichen Anhänger der Kriegsparteivor uns. Da wir nun wissen, daß Armin nach und nach, erst wenige, dannmehr in die Grundgedanken der Verschwörung eingeweiht hat, so ist unterdiesen sicher der Priester am Altar der Ubier, im heutigen Köln, einer derersten gewesen. Ihm ist auch von Armin deutlich gemacht worden, daß keinanderes Volk zuerst in den Aufstand treten dürfe, als das, welches Kölngegenüber zwischen Sieg und Wupper und nach Westfalen hinein an derLenne wohnte. Wohin konnte denn sonst auch Segimuntus fliehen? Wenner in der Nähe des Hauptquartiers des Varus seine Priesterbinden zerriß, alsoin leidenschaftlicher Form seinen Römerhaß bekundete, so mußte der Wegvom Altar zu den Aufständischen nicht weit sein, weil seine Flucht sonst un-möglich gelungen wäre. Wenn nun sein Weg ihn zu Armin führte, so wirder nicht versäumt haben, in dem von ihm durcheilten Gebiet zwischen Kölnund der mittleren Weser das Feuer des Aufstandes noch mehr zu schüren.Es gibt sogar einen durchaus verständlichen Zusammenhang, wenn wir an-nehmen, daß er von Armin ermächtigt worden ist, durch ein Sturmzeichen,eben das Zerreißen der Binden, das glimmende Feuer des Aufruhrs offenzum Auflodern zu bringen, sobald er auf dem rechten Rheinufer angekommenwar. Wie weitgreifend auch dieser Aufstand, zu dessen Dämpfung Varus ausdem Sommerlager aufbrach, gewesen ist, ersehen wir ja aus dem Verhaltendes Asprenas. Von ihm hörten wir schon, daß er selbst mitsamt den beidenihm unterstellten Legionen in ernste Gefahr geraten ist. Weit davon entfernt,an ein Zusammenwirken mit seinem Oheim Varus zu denken, sah er sichsogar zwischen zwei Feuern. Nicht nur im Vorland von Köln, sondern auchauf dem linken Rheinufer drohte Empörung; und wenn auch nicht unmittelbarin Köln selbst, wo die romtreuen Ubier saßen, dann doch um Vetera, wodie weggeführten Sugambrer angesiedelt worden waren. Ihnen saß immernoch der ererbte Römerhaß im Blut. Diese Erbitterung im Bunde mit ge-steigertem Heimweh nach der alten Heimat an Lippe und Ruhr hatte auchbei ihnen im stillen das Feuer des Aufruhrs entzündet, und es bedürfte deseiligen Aufbruchs des Asprenas, um die ersten Anzeichen der Bewegung auchhier zu ersticken. Letzten Endes wird von der Schwurgenossenschaft sogareine Hineinziehung Galliens in den allgemeinen Aufstand der unterjochtenVölker diesseits der Alpen beabsichtigt gewesen sein; wie wir denn auch nurbei dieser Annahme voll verstehen können, daß Augustus und Rom schon voneinemCimbrischen Schrecken" erfaßt waren. Und in der Tat scheint unseine solche Gefahr für die Weltgeltung des Imperium Uamemum bestandenzu haben. Erst die Dämpfung des Feuers durch das Erscheinen einer achtung-gebietenden Heeresmacht in Vetera (Tanten) und späterhin das DurchhaltcnAlisos bewirkten, daß der Rhein wieder die feste, jetzt noch unüberschreitbareGrenze wurde.