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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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89 Die Varusschlacht

den Angeklagten völlig unverständliche Recht. Die Reden der Advokaten, diestets die Prozesse durch ihre Kniffe so zu drehen wußten, daß die Römer einobsiegendes Urteil für sich errangen, kamen ihnen vor wie dasGezische vonSchlangen". Doch das war längst noch nicht alles. Wenn schon der römischeSchriftsteller Florus von Üppigkeit, Stolz und Grausamkeit redet als denEigenschaften, die Varus so verhaßt machten, so würde uns, wenn uns einnaturgetreues Bild auf Grund deutscher Berichte vorläge, wohl derhöchste Grad des Schauderns erfassen. Und wenn wir aus den Abschlach-tungen der römischen Tribunen auf den heidnischen Altären bei der Schluß-katastrophe der Varusschlacht entnehmen müssen, daß es sich um wirklicherituelle Opfer gehandelt haben muß, so wird uns auch eine oft mißverstandeneStelle bei Florus klar, die in ihrer ursprünglichen Gestalt uns meldet:Varushatte sich gegen die Waldheiligtümer gewandt". Offenbar hatte ersogar heilige Haine abholzen lassen, sei es nun, daß er meinte, damit demabergläubischen Volke den Glauben und die aus dieser Quelle strömende Kraftnehmen zu können, sei es, daß er an diesen für heilig gehaltenen und meistan den Grenzen gelegenen Stellen römische Stationen errichten zu könnenglaubte. Genug: das Maß war bis zum Überlaufen voll, und längst schonglomm in unheimlicher Glut das Feuer unter der Asche.

Aber würde je der Augenblick kommen, wo es heißen konnte:Das Volksteht auf, der Sturm bricht los?" Wie sollte es möglich gemacht werden,diesen so furchtbar gerüsteten Heeren im Lande beizukommen? Es mußteunmittelbar einleuchten, und auch Armin täuschte sich darüber keinen Augen-blick, daß im Bereich der römischen Standlager am Rhein und auch tieferim Lande, auf der Etappenstraße, jede Unternehmung fehlschlagen mußte.Wenn ein Plan mit Aussicht auf Gelingen entworfen werden sollte, dannmußte darin der Satz stehen, der auch wirklich als der erste und wesentlichsteBestandteil des Arminschen Kriegsprogramms auf uns gekommen ist:Varus muß vom Rhein fortgelockt werden." Diese Maß-nahme, an deren Ausführung die im stillen schon zusammengetreteneKriegspartei nun herantrat, darf nicht so verstanden werden, als wenn Ar-min angenommen hätte, Varus habe Neigung, auf dem linken Rheinufer,etwa in seiner Residenz beimAltar der Ubier", dem heutigen Köln, zubleiben. Er war sicher auch im Jahre 9 n. Chr. bereits auf dem rechtenUfer, als ihn die Bitte der Cherusker erreichte, er möge dochzur Weser hin"sich auf den Weg machen. Auch dort sei aufrichtiges Verlangen vorhandennach Recht, Sitte und Kultur der Römer. Und damit war ja wirklich auchdie Ansicht gewisser Kreise, nämlich der Römerpartei, an deren Spitze Se-gestes, Armins späterer Schwiegervater, stand, wiedergegeben. So trat dennder römische Statthalter mit glänzendem Gefolge seinen Weg ins Cherusker-land an. Dem Aufgebot, wohl 29 999 Mann, folgte ein mächtiger Troß.

Damit war der erste und grundlegende Teil der von den Verschworenengeplanten Unternehmungen bereits gelungen. Wir erkennen hier schon dieFähigkeiten Armins, der es nicht nur verstanden hatte, die Grundregelnrömischer Kriegskunst:Teile und herrsche!" theoretisch zu erfassen, sondernnun auch bewies, daß er der Mann war, diese Parole in die Tat umzusetzen.So ward denn die auf dem rechten Rheinufer stehende Römermacht ge-teilt, indem 3 Legionen weiter nach Osten zogen, während 2 Legionen