Armins Kriegsplan zur Vernichtung der Legionen 79
zu bewundern wissen. Aber auch bei uns Römern ist er nicht nach Gebührgefeiert, die wir wohl das Alte preisen, uns aber um Neues nicht kümmern."
Wir Deutsche, die wir diesem so gefeierten Helden alle unsere nationalenGüter: Ehre, Freiheit, Vaterland, verdanken, tun recht daran,wenn wir vor allem den Pla n zu enthüllen versuchen, der nicht nur darumso glänzend gelang, weil die Elemente ihn begünstigten, sondern, weil er nachstrategischen Gesetzen entworfen war und die Gewähr für sein Gelingen insich selbst trug. Wir wollen versuchen, ihn nachzuzeichnen und werden dabeierkennen, daß auch hier sich uns Mittel darbieten, die uns helfen, die denk-würdige Stätte der Arminschen Großtat genauer zu bestimmen.
Armin der Cherusker, der Sohn des Segimer, mochte noch nicht langeaus römischen Diensten ausgeschieden und nach längerer periodischer Abwesen-heit wieder in seine Heimat an der Weser zurückgekehrt sein, als er mit Ent-setzen und innerem Abscheu von den Gewaltmaßregeln hörte, welche Varusund seine Gefolgschaft gegen freie deutsche Männer anzuwenden sich er-dreisteten. Ein Statthalter, der bis dahin nur Knechtsseelen zu beherrschenund zu quälen gewohnt gewesen war und eben erst die ausgesogene römischeProvinz Syrien als reicher Mann verlassen hatte, weil er dort durch Erpressungzu Geld gekommen war, hatte die Verwaltung Germaniens übernommen, dassich kaum noch von einer römischen Provinz unterschied. Die Umwandlungdes Volkes und die dauernde Beherrschung hatte aber außerordentlicheSummen gekostet.
Ein Forscher hat gesagt: wie England die Verwaltung Ägyptens durchden Sudan sich habe bezahlen lassen, so habe Rom sich bemüht, die Mittelfür Verwaltung und Beherrschung Deutschlands nicht unmittelbar selbst zuleisten, sondern Gallien mit dieser schweren Aufgabe zu belasten. Nun waraber auch diese selbst noch junge Provinz dieser auferlegten Verpflichtungmüde und überdrüssig geworden. So mochte Varus auch selbst vom Kaiser undden Hofkreisen, denen er verwandtschaftlich nahe stand, die Weisung erhaltenhaben, alles aufzubieten, um die Romanisierung Germaniens,wenigstens vom Rhein bis zur Weser, möglichst zu beschleunigen. Es mochtenicht an Stimmen fehlen, welche die milde und schonende Methode des letztenStatthalters vor Varus, des Sentius Saturninus, als Schwäche deuteten undbehaupteten, solchen Kreaturen, wie sie zwischen Rhein- und Weserstrandwohnten, könne man nur mit Gewalt beikommen. Vor allem aber müsse dasrömische Recht mit aller Schärfe in Anwendung gebracht werden; und wo mitWorten nichts zu erreichen sei, müsse die Peitsche geschwungen werden.
Es gab keinen römischen Beamten, der mehr bereit war, diese Vorschlägein die Tat umzusetzen, als den ehemaligen Peiniger Syriens. Er sollte aberbald erfahren, daß die Söhne der roten Erde und Anwohner der Weser ausganz anderm Holz geschnitzt waren als die knechtischen Naturen Vorderasiens.Aber Varus, dessen brutale Gesinnung heute noch, wie ein Forscher glaubt,sich in seinem auf einer Münze erhaltenen plumpen Gesichtsausdruck wider-spiegelt, setzte die Grundsätze, die sich in Syrien und schon vorher in Afrikabewährt hatten, tatsächlich in Vollzug. Bald klatschten die Rutenschläge derLiktoren auf dem entblößten Rücken des gepeinigten Volkes. Was aber diegrößte Empörung hervorrief, war das in römischen Formeln auftretende,