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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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78 Die Varusschlacht

Gewässer und darum auch seine überbrückung kein Ereignis, das hätteerwähnt werden müssen. Nun redet Tacitus aber wirklich von Brücken undsumpfigem Gelände. Unter diesem konnte die Wasserader der Lippe um soeher mitverstanden sein, als sich wirklich am Ufersaum des Flusses solchesBruchland in beträchtlicher Ausdehnung fand. So konnten wir denn für dengeschilderten Zug des Cäcina keine andere Richtung als aus der Gegend vonLippstadt in den Ostteil des Arnsbergerwaldes annehmen.

Nunmehr können wir auch noch einmal auf den Frühjahrsfeldzug desJahres 16 n. Chr. hinweisen. Wie im Jahre 15 n. Chr., so war, wie wir unserinnern, Germanicus auch ein Jahr später dem Schauplatz der Varus-tragödie nahe gekommen. Wäre der Marsch nur um stark einen halben Tages-marsch, 15 Um über die römische Grenzlinie östlich Aliso (Seseke-Körne-Winkel) hinaus, ausgedehnt worden, so wäre die Stätte des zerstörten Grab-hügels erreicht gewesen. Wir stehen also auch hier wieder vor dem Gesetz dersich schneidenden Linien. Germanicus hätte bei weiterem Vorrücken in derGegend VudbergBüderichHoltum seine eigene Linie vom Vorjahre undebenso des Varus Todeszuglinie getroffen. So sind uns also beide Ger-manicuszüge von 15 und 16 n. Chr. sehr willkommene Wegweiser zum Varus-schlachtfeld, indem jener uns auf der Emslinie und ihrer südlichen Ver-längerung, dieser auf der L i p p e - S e s e k e - L i n i e uns zu demselbenZiele, südlich der Lippe, führten. Dort gehen wir nun dem Drama im ein-zelnen nach und lassen Armin,Deutschlands Befreier", vor uns erscheinen.

II. Armins Kriegsplan zur Vernichtung der Legionen.Die verräterische Preisgabe der Etappenstationen die erstenKämpfe im Arnsberger Walde

Wenn wir uns nun fragen, wie es möglich war, daß ein wohlgeschultesrömisches Heer von 3 Legionen und der zugehörigen Kavallerie, insgesamtmehr als 2V 006 Mann, von Armin und seinen Mannen überwunden werdenkonnte, so werden wir wohl nie in die Lage kommen, alle Fragen restloszu lösen.

Freilich hat es nicht an Forschern gefehlt, die ein übergroßes Schwer-gewicht den äußeren Umständen beigemessen haben, die in seltenem Zusammen-treffen dem verwegenen Cheruskerprinzen zu Hilfe gekommen seien. Wennaber nicht doch dessen persönliche Tüchtigkeit die Hauptursache für das Gelingendes verwegenen Schlages darstellte, würde schwerlich der Feind selbst denZerschmetterer der römischen Macht ein solches Denkmal gesetzt haben, wie seingroßer Historiker es tut:Während er, mit bewaffneter Hand angegriffen,mit wechselndem Glücke stritt, fiel er durch die Hinterlist seiner Verwandten,er, un st reitig der Befreier Germaniens, der nicht die Anfängedes römischen Volkes, wie andere Könige und Feldherren, sondern das Reichin voller Blüte bekämpft hatte, in den Schlachten des Erfolges nicht sicher, imKriege unbesiegt. Auf 37 Jahre brachte er sein Leben; 12 Jahre behaupteteer seine Macht: und noch preisen ihn die Heldenlieder der Germanen,ihn, der unbekannt den Jahrbüchern der Griechen blieb, die nur Griechisches