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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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Vorfragen zur Varusschlachtfeldforschung 77

Aber selbst wenn wir die Wohnsitze derletzten", d. h. kleinen Vrukterer,und die allgemeine Marschrichtung des Germanicus, die von Norden nachSüden ging, nicht verwerten könnten, müßten wir dennoch aus den weiterenAngaben folgern, daß Germanicus die Lippe überschritten und dieSpuren der ersten Kämpfe, auch die Reste der beiden Varuslager, in einemWaldgebirge gefunden hat, das mit dem Osning oder dem LippischenWald nichts zu tun hat, sondern nur der Arnsberger Wald sein kann.Und das ist eben nun das unbestreitbare Verdienst Hülsenbecks, diesen Beweiswirklich geführt zu haben. Sein Gedankengang ist folgender: der linke Flügeldes Germanicusheeres kann nicht über Lippstadt hinaus gereicht haben, weil dieVerwüstung und darin bestand ja die Tätigkeit des Heeres zwischen Emsund Lippe nicht weiter ging als bis an den Westrand der Senne. Wennnun von hier aus Cäcina vorgeschickt wurde, um die dunklen Schluchten desunheimlichen Waldgebirges zu erforschen und beim weiteren Vordringenzuerst das erste Varuslager antrifft, dann das zweite und endlich den Ortder Endkatastrophe, so muß doch folgender Schluß mit Notwendigkeit sichergeben: Germanicus kann die Zuglinie des Varus, der er ja nur von demPunkte an folgte, wo sie Kampflinie wurde, tatsächlich nur senkrechtgetroffen haben. Es steht doch fest, daß Varus, der seinen ganzen Troß mit-genommen hatte, von Osten nach Westen zog, weil er nach Dämpfung des Auf-standes sein Heer die Winterquartiere wollte beziehen lassen. Da nun dem-gemäß die Marschrichtung des Varus von Osten nach Westen, genauer: vonNordosten nach Südwesten ging, so ist es ganz undenkbar, daß Germanicusdas erste, d. h. das östlichste Varuslager auch als erstes antreffen konnte,wenn das große Drama vom Jahre 9 sich nördlich der Lippe abgespielt hätte.Dann hätte die Auffindung ja gerade in umgekehrter Reihenfolge geschehenmüssen: Zuerst das am weitesten nach Westen gelegene Gelände der End-katastrophe, dann das zweite Lager und endlich das erste von Varus auf-geschlagene, also das östlichste Lager. Da aber, wie wir das mit unbedingterGewißheit aus Tacitus entnehmen, Germanicus der Zuglinie in gleicher Rich-tung, wie Varus sie genommen hat, gefolgt ist, so führt wiederum auch dieserGang unserer Untersuchung zu demselben Ergebnis: weil die Römer imJahre IS senkrecht die Zugrichtung des Unglücksheeres von 9 n. Chr. trafen,mußten auch s i e von Osten nach Westen ziehen. Allen diesen Anforderungenentspricht nun, wie gesagt, nur der Arnsberger Wald.

Für diesen spricht aber auch noch ein anderer Umstand und zwar seinCharakter als L ä n g s g e b i r g e. Nach den Schilderungen des Dio Cassiushat doch Varus sich auf mehrtägigem Marsch durch ein von Osten nach Westensich weit hinziehendes Gebirge befunden; und auch Tacitus, der ja keineGeländebezeichnung, sondern nur einen starken Stimmungseindruck vermittelnwill, deutet wenigstens durch die Worte:mitten in der Ebene bleichendeGebeine" an, daß die beiden vorgenannten Lager in einem anderen Gelände,nämlich im Gebirge, gelegen haben. Da wäre nun wieder der Osning vielzu schmal, als daß ein von Osten nach Westen ziehendes Heer in ihm einenso weiten Marsch hätte zurücklegen und zwei Lager in ihm aufschlagen können.Mit Recht bemerkt auch Hülsenbeck, daß uns gegenüber diesen Tatsachen derUmstand, daß wir nichts vom Überschreiten der Lippe hören, nicht irre machendürfe. Dieser Fluß in seinem schmalen Oberlauf ist doch kein bedeutendes