Druckschrift 
Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
Seite
75
Einzelbild herunterladen
 

Vorfragen zur Varusschlachtfeldforschung 7S

zu machen. Lange nun mochte in der Tat die Ungewißheit über das Schicksalder mit Varus Umgekommenen die Gemüter bedrücken; und das furchtbareWortvermißt", das auch uns seit dem Weltkrieg in peinvoller Erinnerungist, mochte sich oft genug auch auf die Lippen der römischen Soldaten legen,die wohl wußten, daß sie, je weiter sie nach Süden und nun gar bis an dieLippe gelangten, dem Schauplatz der furchtbaren Katastrophe näher kämen.Nun sollten sich die Folgen einer verpaßten Gelegenheit zeigen. Nach demursprünglichen Feldzugsplan, der wahrscheinlich von fähigeren Köpfen alsGermanicus, möglicherweise unter Leitung des Tiberius selbst entworfenworden ist, sollte nach Vereinigung des Gesamtheeres an der Ems zumgroßen Schlag ausgeholt werden, der also auf einem östlich derEms zu bestimmenden Schauplatz zu führen gewesen wäre. Demgemäßwird auch die Lippe als südliches Ziel nicht im Plan gestanden haben,wie er dem Germanicus höheren Ortes in die Hand gegeben war. Doch nunwar Germanicus bis zur Lippe vorgedrungen. Stertinius kam mit demwiedergewonnenen Adler der neunzehnten Legion zurück und brachte zugleichauch eine Schreckenskunde mit, nämlich das, was ihm offenbar diebefreiten Gefangenen selbst berichtet hatten und auch nur diese allein wußten:Am Orte der Endkatastrophe sollten jetzt noch, sechs Jahre nach demfurchtbaren Drama, die Opfer un bestattet liegen. Nun war eben erstder Adler eines Truppenteils mit großen Ehren heimgebracht worden.Mußten da nicht auch den Soldaten selbst, denen dieses Feldzeichen voran-gezogen war, die letzten Ehren erwiesen werden? Genug: der Feldherr gibtden Befehl, das Varianische Schlachtfeld aufzusuchen.

Da es wieder die eben befreiten Gefangenen sind, welche den Weg dort-hin wiesen, sollen sie auch unsere Führer sein. Wir geben also noch einmaldem Tacitus das Wort (Buch I, 61):Daher ergriff den Cäsar das Ver-langen, den Soldaten und dem Feldherrn die letzte Ehre zu erweisen: auchdas ganze Heer, das anwesend war, war zur Wehmut gestimmt, im Gedankenan Verwandte, an Freunde, an des Krieges Wechselfälle endlich und derMenschen Los,

Nachdem Cäcina vorangeschickt war, um das Dunkel der Schluch-ten zu durchforschen und Brücken und Dämme in dem feuchten Sumpflandeund den trügerischen Ebenen anzulegen, betraten sie die Stätten der Trauer,gleich peinlich für den Anblick wie für die Erinnerung. Das erste Lagerdes Varus mit seinem weiten Umfange und den wohlabgesteckten Quartierenerschien deutlich alsdreier Legionen Werk; sodann gab ein halbeingestürzterWall und flacher Graben zu erkennen, daß dort die schon stark mitge-nommenen Reste Fuß gefaßt hatten; mitten in der Ebene ihrebleichenden Gebeine, wie sie sich geflüchtet, wie sie Widerstand geleistet hatten,zerstreut oder aufgehäuft. Daneben lagen Bruchstücke von Waffen und Glied-maßen von Pferden; daneben hingen an Baumstämmen angeheftet Schädel.In den nahen Hainen standen die barbarischen Altäre, an denen siedie Tribunen und Centurionen erster Ordnung hingeschlachtet hatten. Und die,welche übrig waren von jener Niederlage, aus der Schlacht oder den Fesselnentkommen, berichteten, hier seien die Legaten gefallen, dort die Adler ihnenentrissen, wo Varus die erste Wunde beigebracht ward, wo er durch seineunselige Rechte und eigenen Stoß den Tod fand, von welcher Erhöhung