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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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72 Die Varusschlacht

Nachdem sich nun durch unsere Entdeckungen im Seseke-Körne-Winke!die Straße von Oberaden südlich an Kamen vorbei als römisch heraus-gestellt hat, sind wir auch der Gegend der Varianischen Endkatastrophe soviel näher gekommen. Tatsächlich nämlich hat eine Nachbarschaft zwischenAliso und dem Varianischen Schlachtfeld bestanden, da beide Örtlichkeiten kaummehr als einen Tagemarsch auseinander gelegen haben können. Wir stützenuns dabei vornehmlich auf die örtlichen Verhältnisse, wie sie uns bei demFeldzug des Germauicus 16 n. Chr. deutlich werden und zwar in folgenderAufreihung von Westen nach Osten: Lippekastell, Drususaltar,Kastell Aliso, Grabhügel auf dem Varianischen Schlachtfeld.

Germauicus ist also zunächst die Lippe heraufmarschiert und hat dann,die Lippe linie aufgebend, das Kastell Aliso erreicht. Einmal so weitnach Osten vorgedrungen, konnte er in Erwägungen darüber eintreten, ob esratsam sei, auch bis zum Ort der Varuskatastrophe weiter zu marschieren.

Wäre die Entfernung weit gewesen, so war es für Germauicus über-flüssig, überhaupt die Frage der Wiederherstellung des Totenhügels, den dieGermanen niedergelegt hatten, zu stellen. Nun hatte aber Germauicus denDrususaltar bei Aliso, der in gleicher Weise auseinandergerissen worden war,wiederhergestellt. Zu leicht konnte gegen ihn die Anklage erhoben werden,er habe den 1613 666 Gefallenen die gleiche Ehre zuteil werden lassenmüssen wie den Manen seines Vaters Drusus bei Aliso. So liest sich dieDarstellung des Tacitus, die uns den Germauicus zeigt als einen mit sichselbst zu Rate gehende» Mann, der schließlich doch trotz der Nähe des Schlacht-feldes ein zweites Betreten desselben vermeidet, wie eine Selbstrecht-fertigung. Da ihn nicht ein großer Abstand selbst entschuldigte, so muhteein anderer Umstand vorliegen, der sein Unterlassen auch vor der öffentlichenMeinung begründete; es war die gänzlich anders orientierte Politik desKaisers Tiberius, die auf doppelte Weise uns deutlich wird: einmal durch dieBeschränkung auf das Kastell Aliso als den äußersten Ostpunkt, anderseitsdurch die Notiz des Tacitus zum Schlachtfeldbesuch des Germanicus imvorigen Jahr (15 n. Chr.), bei welcher Gelegenheit er jenes so bald schonwieder zerstörte Grabmal errichtet hatte. Auch wir müssen hier viel zwischenden Zeilen lesen, wenn wir von folgender Kritik hören:Tiberius billigte diesnicht, sei es, weil er bei Germanicus alles mißgünstig auslegte, sei es, weiler glaubte, das Heer wäre durch das Bild der Erschlagenen und Unbestattetenträger gemacht zur Schlacht und zaghafter gegen die Feinde; auch hätte sichder Imperator, bekleidet mit der Augurwürde und uralten Zeremonien, aufTotendienst nicht einlassen sollen." So leicht es begreiflich ist, daß bei demauch sonst bezeugten Aberglauben des Kaisers diese Gründe mitgespielt haben,so sind sie doch nicht die ausschlaggebenden gewesen. Wir haben diese schonangedeutet und werden sie noch besser begreifen, wenn wir später das Pro-gramm der abschließenden kaiserlichen Reichssicherung genauer kennen lernen,bei der die Nord-Süd-Grenze zwischen Aliso und dem Varus-schlacht f e l d durchlief. Wir glauben sie ebendort im engsten Zusammen-hang mit dem Namen Teute nachweisen zu können und behaupten schonjetzt, daß die Teutoburger Katastrophe sich an dieser Teuteoder Grenze abgespielt hat, wie auch die Schlacht am Birkenbaum west-lich Werl, bei Vudberg und Holtum eine Schlacht an der Grenze (Teute)