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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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68 Aliso vor der Varusschlacht

wintert haben. Das Annaberg-Kastell scheint auch nur für kurze Zeit belegtgewesen zu sein, das Feldlager kam nur für Sommerdurchmärsche in Betracht;also bleiben nur die kleinen Uferanlagen an der Lippe in der langen Zwischen-zeit von 8 v. Chr. bis 5 n. Chr. Das ist um so seltsamer, als auch dasDrususlager bei Oberaden als Winterlager aufgehört haben muß.

So scheint es denn, als wenn wirklich nach den ersten schweren Schlägender Drususkriege und der Wegführung der Sugambrer durch Tiberius dieKraft der Germanen auf dem rechten Ufer des Niederrheins gebrochengewesen ist; es fehlte an einem Führerstamm, der die Sugambrer hätteersetzen können. So mögen sich denn auch die Unternehmungen der Römerauf deu Sommer beschränkt haben, für welche Zeit dann auch das Feld-lager in Haltern genügen mochte, und dieverwirrende Vielseitigkeit derAnlagen" mag nicht zuletzt auch daraus sich erklären, daß es dem Platze aneiner einheitlichen Belegung gefehlt hat, bis endlich ein wirkliches großesStandlager hier erstand.

So sind die beiden großen Römerplätze, sowohl der im Lippe-Stever-Winkel wie auch der im Lippe-Seseke-Winkel wohl geeignet, uns die römischeKriegspolitik von den verschiedenen Seiten ihrer Vetätigung vor Augen zuführen. In der Tat zeigt uns Aliso bei Oberaden wieder, was die Römergewollt haben. Sie wollten sich hier dauernd festsetzen und von hier ausihre Etappen vorschieben. Sie haben aber gelernt sich bescheiden und mußtenwieder und wieder auf dem linken Rheinufer überwintern.

Als sie sich dadurch zu weit von den Schauplätzen ihrer Sommerfeldzügeentfernten, so daß die Germanen in den langen Wintermonaten Gelegenheitfanden zu geheimen Rüstungen, schien es doch dringend geboten, eine achtung-gebietende Truppenmacht auch im Winter im Lande zu belassen. Alsgeeigneter Ort zu solchem Überwintern erschien nach dem ersten Versuch imWesergebiet Haltern-Stereontion. Waren die Römer hier auch nur 41 Uinrechts vom Rhein, so waren sie doch im Lande der Germanen und konntenvon hier auf ausgebauten Straßen zur Ems und zum südlichen Lippeknie beiOberadcn vorstoßen. Jedenfalls gab es zwischen Aliso und dem Rhein undauch zwischen der Ems und dem Rhein keinen geeigneteren Punkt zur Samm-lung und zum Aufmarsch größerer Truppenmassen nach den verschiedenenRichtungen, als diesen.

Hier scheint vor dem Ausbruch des Aufstandes im Jahre 9 n. Chr. eineder beiden Legionen des Asprenas gestanden zu haben, dessen Aufgabe ge-wesen war, das rechte Rheinufer zu decken, während sein Oheim Varus, derEinladung der Cherusker folgend, ins Wesergebiet abzog. Daß in der Tatzu den Standorten, die Asprenas inne gehabt hat, auch ein Lager gehört hat,in dem vorher Varianische Truppen gestanden haben müssen, geht aus derbösen, von uns schon mitgeteilten Nachrede hervor, dieser Legat habe zwardie Lebenden gerettet, sich aber, so viel es in seiner Macht gestanden hätte,zum Universalerben der Hinterlassenschaft der Varianischen Legionen gemacht.Das konnte nur von einem Lager desrechten Rheinufers gelten, weil sonstdie Bemerkung, er habe die Überlebenden gerettet, indem er mit ihnenzum unteren Winterlager hinabzog, unverständlich sein würde.

Demnach haben des Varus Truppen, von denen uns gesagt wird, siehätten vor dem Aufbruch zur Weser zahlreich am Rhein und im eigenen