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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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66 Aliso vor der Varusschlacht

So hat schon vor vielen Iahren ein Ausgrabungsbericht betont, daß keineerobernde Macht, die diesen Platz für sich verlangte und gebrauchen wollte,auf den 2 üur westwärts liegenden Annaberg verzichten konnte. Dieser mußtesicher mit einem Kastell versehen werden, das auch wohl Hilfe schickte, wenndas kleine Uferkastell dieser bedürfte. Neben diesen Daueranlagen aber botder Platz in seinem periodisch und verhältnismäßig oft belegten Feldlagergroßen durchmarschierenden Truppenverbänden Raum. Aus den verhältnis-mäßig zahlreichen, der Kulturschicht des Feldlagers entnommenen Boden-funden ist auch zu schließen, daß die Truppen, sei es auf ihrem Durchzugzur Ems, sei es auf dem Marsch zum Drususlager bei Oberaden, hier längergerastet haben. Noch aber war der Platz Etappe. Daß jedoch eine in sogünstiger Lage befindliche Militärstation schließlich Winterlager werdenmußte, ist ganz selbstverständlich. Und das meldete uns ja auch schon DioCassius von mehreren ähnlichen Plätzen, ohne uns ihre Namen zu nennen.

Wir erkennen nun, daß, soweit wir heute sagen können, an drei Stellendes niederrheinischen Germaniens römische Truppen in Winterlagern gelegenhaben: Zunächst in Aliso bei Oberaden, das aber schon wie es scheintunter Drusus Sommerlager (uestivu) geworden ist. Dann hören wir erstim Jahre 4 n. Chr. wieder von einem Überwintern römischer Truppen imgermanischen Binnenland: wie wir schon bemerkten, an der Mündung (oderQuelle? cuput kann beides bedeuten) des Flusses Julia. Es hat denForschern eine gewisse Schwierigkeit bereitet, die beigefügte Bemerkung desVellejus Paterculus zu deuten:Tiberius ließ mitten in Germanien zumersten Male sein Heer im Winterquartier stehen." Erwidert wurde: wiekonnte das der Schriftsteller behaupten, wo wir doch heute wissen, daß schon15 Jahre früher Drusus bei Oberaden sein großes Heer einen Winter(11/16 v. Chr.), vielleicht auch einen zweiten (16/9) im Winterlager auf demrechten Rheinufer beließ? Es ist auch gesagt worden, daß kein unbedingterVerlaß auf die klassischen Quellen sei, da uns im vorliegenden Falle derSpaten eine bessere Kenntnis erschlossen habe.

Aber der Einwand scheint mir nicht berechtigt zu sein; der Ton liegteben auf den Worten:mitten in Germanien" und liefert uns in dieserFassung einen wichtigen Beitrag zu der Frage:: wie weit die Römer beiBeginn unserer Zeitrechnung (4 n. Chr.) in Germanien eingedrungen sind,wie weit das fremde Land nun wirklich im Zustand einer römischen Provinzsich befand, sowohl hinsichtlich seiner äußeren Gestalt, als namentlich auch inRücksicht auf die Gesinnung seiner Bewohner, unter denen sich im Cherusker-land offene und einflußreiche Römerfreunde, wie Segest, Armins spätererSchwiegervater, befanden. Jedenfalls nun war den Römern die MitteGermaniens, in die auch später Varus zog, nicht mehr die Gegend des süd-lichen Lippeknies; und war es wirklich ein Triumph der TiberianischenPolitik, daß er dies Wagnis eines Winterlagers tief im Land unternehmenkonnte, dann mag immerhin der Fluß Julia die Iöllenbecke am Weserkniebei Nehme sein. Dann hat Tiberius zu dem Gebiet, das sein Bruder schon ineiner Ausdehnung von rund 86 üm rechts vom Rhein für das Reichgewonnen hatte, eine sicher ebenso lange Strecke hinzugefügt.

Aber es war doch nur die Mitte Germaniens, und wenn die Grenzender neuen Provinz an der Elbe gezogen werden sollten, dann war die