04 Aliso vor der Varusschlacht
sammlungen wie im Frieden gehalten." Wir wenden uns nun demRömerplatz bei Haltern, in dem wir, wie gesagt, einen solchen eigenartigenRömerort wiederkennen, zu und haben die Hoffnung, auch seinen römerzeit-lichen Namen aus klassischen Urkunden wieder zu ermitteln, nämlich aus derGeographie des Ptolemäus, der uns in seiner zweiten Zone denStationsnamen Stereontion beibringt. Haltern ist mit diesem Ptole-mäischen Punkte übereinstimmend! ja der Name der heutigen Stadt enthältsogar einen gar nicht zu verkennenden Hinweis auf die ursprüngliche Be-nennung. Die Stationsnamen bei Ptolemäus für die Orte der zweiten (nord-lippischen) Zone sind nun folgende, wenn wir die weiter westlichen beiseitelassen: Stereontion, Amisia, Munition, Tulifurdon. Wir setzen dazu folgendeEntsprechungen unserer heutigen Orte: Haltern, Emsort, Minden, Werdena. d. Aller. Da Amisia nur die Ems sein kann, an der also, allgemein ge-sprochen, ein Emsort liegt, so haben wir hier einen festen Punkt, von demaus an sich schon die nächst westlich liegende Römerstation auf Zusammenhangmit dem heutigen Haltern angesprochen werden kann. Auch der Weg zurEms über Herbern, wo 1905 römische Sigillata gefunden wurde, wie auchüber Drensteinfurt („steinerne Furt im Gau Dregini") scheint mir ebensoannehmbar, wie der Bielefelder Paß, mit einem Römerfund, Minden mitvielen Römermünzen und anderen Funden, endlich auch Werden, das schonder Ptolemäusforscher Prof. Langewiesche für das alte römische Tulifurdonerklärt hat. Es ist ja tatsächlich der Ort mit einer bedeutenden Furt, derseinen Namen von der Döle (Tuli...), einem Nebenflüßchen der Aller, hat.Demnach haben wir bei Haltern eine Straße von außerordentlicher strategischerund handelsgeschichtlicher Bedeutung. Ihr ist es zuzuschreiben, daß die Nord-stämme der Friesen und Chauken den Römern treuergebene Bundesgenossenblieben, daß sie ihnen die Emslinie, auf die sich die Römer so gern zurück-zogen, in gutem Stand erhielten, gegen gute Entschädigung Proviant liefertenund auch späterhin, wie die vielen Münzfunde beweisen, fleißige Abnehmer,zugleich auch Lieferanten der Römer blieben.
Natürlich wirkten dabei auch die Häfen mit, wie wir als einen nördlichvorgeschobenen schon Borkum (Byrchanis) kennen lernten. So fällt uns sofortauch der Unterschied der zweiten und der dritten Zone, die in ihrem westlichenTeil durch die Lippe geschieden wurden, in die Augen. Kein Römerort kannfür die zweite Zone charakteristischer gewesen sein wie Haltern, keine Boden-hinterlassenschaft aber auch mag wegen der wirtschaftlich einzigartigen undbevorzugten Stellung dieser Militärstation bei Haltern, die zugleich in ganzhervorragendem Maße Handelszentrale war, von derjenigen Alisos beiOberaden in späterer Zeit verschiedener gewesen sein wie diese. Dieaus dem Jahre 1017 stammende Wortform für Haltern heißt nun Halo -stron, das wir in der zunächst befremdlich erscheinenden Weise als:„trockener Strom" erklären. Iellinghaus (a. a. O.) kennt aber auch halnur in dieser Bedeutung trocken, mager, dürr z. B. der hale Wind, eine haleHeide. Halen (Kr. Kloppenburg) schon 890: Halon. Patzig (a. a. O.), derden Ort in Strunden bei Köln annimmt, verweist (unter Hinweis auf Diel-helm, Flüsse Deutschlands) auf Strunderbach und vermutet Zusammenhangmit althochdeutsch striuzen, sich spreizen ... keck dahergehen, nimmt auchVerwandtschaft mit Aco (rlreo) — strömen an. Diese Erklärung wird uns