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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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62 Aliso vor der Varusschlacht

Es ist daher auch ganz natürlich, wenn die Berichterstattung bald nachden großen Erfolgen unter Drusus und Tiberius so viel dürstiger wird. Daßdabei Aliso nicht mehr genannt wird, ist ebenso begreiflich. Es scheint über-haupt, als wenn auch die Römer selbst das Bedürfnis empfunden hätten, nachden ungeheuren Anstrengungen und Opfern eine Pause eintreten zu lassen.Die Unruhen, die gleichwohl in Germanien entstanden, hatten ihren Grundgewiß in der Erbitterung über die schmachvolle und verräterische Behandlungder Sugambrer. Aber eben weil diese Vorkämpfer fehlten, gebrach es auchan der rechten Führung. Nun hatte sich das Gebiet, wo früher die erbittertstenFeinde der Römer, die Sugambrer, ihre Hochburg gehabt hatten, zu einemMilitärgebiet der Römer entwickelt. Kam es wirklich südlich der Lippezu einem feindlichen Vormarsch von Osten her, und war das Grenzzwischen-gebiet, das die Sugambrer von den kleinen Brukterern geschieden hatte, durch-schritten, so fanden die Vordringenden an dieser romtreuen Bevölkerungum Oberaden stärksten Widerstand. Nicht umsonst reichte die vom Orte Heilan der Lippe bis Massen (westlich Unna) ziehende Sperrlinie bis an denNordsaum des Berglandes, welches dann weiter südlich selbst die Bewegungfeindlicher Truppen erschwerte oder gar ausschloß.

Wir wissen aber auch aus Armins Munde selbst, wie vor der Varus-schlacht solche Römerplätze und deren Umgebung aussahen und gestaltet waren,denn er stellt n. Chr. in einer von Tacitus uns frei wiedergegebenen Redeseine Landsleute vor die Entscheidung:Wenn sie das Vaterland, die Väter,die alten Satzungen mehr liebten, als Zwingherren und neue Kolonien,möchten sie lieber von ihm sich zu Ehre und Freiheit, als von Segestes zuschmählicher Knechtschaft führen lassen." Es deckt sich also durchaus mit demBericht des Dio, wenn wir auch um Aliso herum einen Kranz von solchenKolonien mit Zivilbevölkerung annehmen, die natürlich beim Ausbruchdes Aufstandes sich in die Drususfestung flüchtete. Diesen Neusiedlernin Alt-Sugambrien muß das verfügbare Land zur landwirtschaftlichenNutzung übergeben gewesen sein. Was ihre Nationalität betrifft, so dürfenwir vielleicht annehmen, daß es sich um Glieder eines den Römern durchausergebenen Stammes gehandelt hat, wie es z. B. die Ubier waren, derenGebiet geradezuF r e u n d e s l a n d" hieß, und in dem sie angesiedeltwaren,nicht um überwacht zu werden, sondern mit der Bestimmung, selbstWachtdienst zu leisten und Germanen, die aufs linke Ufer vorstoßenwollten, abzuwehren". Solche Stämme, an denen später der von Dio ange-deutete Wandel besonders hervortrat, werden dannHalbbarbaren" genannt.Auch im Lippe-Seseke-Winkel, weiterhin in dem von uns beschriebenen, bisheute erkennbaren Dialektgebiet müssen sich Ansiedler mit römischer Erlaubnisoder gar auf römischen Befehl festgesetzt haben, die eine ganz ähnliche Tätig-keit entfalteten, wie die Ubier. Es muß eine Art Landsturm gewesensein, der nicht den Auftrag hatte, imFrieden" (wie jetzt sog. Friede war),sich hinter den Wällen Alisos zu schirmen, sondern den Festungsbezirkzu hüten und jene Ostlinie zu sperren. Diese landsturmähnliche Vesatzungstruppeim Militärbezirk des Quadrats, das den Ostteil des früheren Kreises Dort-mund und den Westteil des Kreises Hamm ausmachte, mag stark mit römischenSoldaten, besonders Veteranen, durchsetzt gewesen sein; es haben sich unterihnen wohl auchStipendiarier" befunden, die zugleich Aufsichtsdienst leisteten