58 Aliso vor der Varusschlacht
und konnte in seiner Form mit Recht als Spitzgraben angesprochen werden.Darauf wurde am folgenden Tage auch in südlicher Richtung eine Ver-breiterung vorgenommen und im dritten Spatenstich eine Brandstelle frei-gelegt. Ihre Ausdehnung betrug ungefähr 1 m, die Breite von Osten nachWesten 3V—40 cm. Angekohltes Holz und Aschenreste wurdenmehrfach gefunden, dagegen nichts an Scherben.
Die weiteren Arbeiten am 1. September galten nun der Freilegung desvermeintlichen Spitzgrabens. Leider fand sich aber bald eine scharfe Abgren-zung gegen den benachbarten Boden. Es stellte sich dann heraus, daß es sichum eine allseitig begrenzte, runde Kuhle von ungefähr 1 m Durchmesserhandelte. Ein Zusammenhang mit der nahegelegenen Feuer st elle, welcheungefähr auf der Sohle der zweiten Schicht lag, schien nicht ausgeschlossen,war aber leider nicht nachzuweisen. Anklang fand die Meinung des Vor-arbeiters Mandischer, daß es sich bei der Kuhle um ein S ch ö p f l o ch handle,welches wahrscheinlich auf dem Grunde eines Grabens angelegt sei. Dieserhabe seinen Abfluß nach der ganz in der Nähe östlich davon gelegenen Körnegehabt und kennzeichne die Höhe des alten Humus. Die Nähe derScherbenaus verschiedenen Perioden deutete auf einen langen Gebrauch hin, diemehrfache Humusschicht wäre an dieser Stelle als Ergebnis einer späterenAnfiillung zu erklären.
Nun fand sich aber auch noch an einem weiter südöstlich gelegenen Ackerdie Flurbezeichnung „An den Pöhlen" (Pfählen). Darum wurde fürden letzten Tag unserer Bodenforschung, den 2. September, auch hier nocheine kleine Grabung vorgenommen. Bei der Besichtigung fiel auf der benach-barten Weide ein Wall auf, der in westöstlicher Richtung mit dem Bett deralten Körne gleichlaufend verlief. Dicht an seiner Nordseite wurde er begleitetvon einer grabenförmigen Senke. Seine Ähnlichkeit mit dem Rest des altenrömischen Grabens an der „Schlangenhecke", der Westgrenze des Römerlagersbei Oberaden, berechtigte dazu, auch hier den Spaten anzusetzen und durcheinen Querschnitt die Bedeutung von Wall und Graben festzustellen. DieArbeiten ergaben auch eine Anfüllung und eine Vertiefung. Letztere konnteaber in keiner Weise gedeutet werden. Beim Querschnitt des Walles tratenauf seiner Höhe zwei dunkle Flecken auf, die Pfostenlöchern nicht unähnlichschienen, ihre Entfernung betrug 1,30 m. Eine auslaufende Spitze aber konntenicht nachgewiesen werden. So konnte denn hier und ebensowenig auf demwestlich davon gelegenen Acker „Auf den Pöhlen" ein bestimmtes Ergebnisgewonnen werden, traten doch auch hier keinerlei Bodenfunde hervor.
Nachdem nun aber unsere Grabungen im ganzen bewiesen hatten, daßdie Örtlichkeit „am beilaufenden Turm" im „Westicker Feld" südwestlichKamen historischer Boden ist, ohne dessen Durchforschung auch der benach-barte Römerplatz bei Oberaden nicht endgültig aufgeklärt werden kann,beschloß auch die Altertumskommission für Westfalen auf ihrer Jahresver-sammlung im März 1928, die Örtlichkeit, namentlich aber auch die weiter nachSüden ziehende Körne-Linie untersuchen zu lassen. Dies geschah nun vom22.—23. November 1928 durch den Leiter der vor- und frühgeschichtlichen Ab-teilung des Landesmuseums und zugleich der Ausgrabungen in Westfalen,Herrn Vv. Stieren-Münster. Auch ich war zur Grabung freundlichst einge-laden worden. Die Untersuchung hatte sich als nächstes Ziel die Flur „Turm"