Der römische Seseke-Körne-Winkel 57
dieser Art gefunden worden sei. Demgemäß sandte Herr MuseumsdirektorBänfer die betr. Stücke an das Staatl. Museum für Volkskunde in Berlin,von wo aus Herr Prof. Dr. Unverzagt als Direktor des Instituts am16. Januar 1928 das erbetene Gutachten in entgegenkommendster Weiseabgab. Nach diesem handelt es sich bei vier Randstücken um Bruchstücke vongroßen Kochtöpfen. „Aus Ton, Technik und Form ergibt sich einwandfrei,daß sie in den großen spätrömischen Töpfereien in der Eifel her-gestellt worden sind. Sie lassen sich auch durch das Vorkommen von gleichenStücken in den Kastellen Alzey (Rheinhessen) und Altrip (Rheinpfalz) undden Trierer St.-Varbara-Thermen in das Ende des 4. und den Anfang desS. Jahrhunderts n. Chr. genau datieren." Auch eine andere Gattung vonScherben bezeichnete das Gutachten als spätrömisch. Sechs andere Randstückewurden als einheimisch und zwar älter als sächsisch erkannt. Sie gehörender ersten Hälfte oder der Mitte des S. Jahrhunderts an. Schließlich betontenoch das Gutachten das besondere Interesse, das dem Vorkommen dieser spät-römischen Keramik in Westfalen gebühre, zumal doch vermutet werden könne,daß die Fundstücke einer militärischen Anlage entstammten.
Um nun zu zeigen, unter welchen Umständen, d. h. in welcher Tiefe undLagerung sich diese Funde feststellen ließen, sei nun noch ein kurzer Auszugaus dem Fund bericht des Herrn Museumsdirektors Bänfer, der dieGrabung leitete, gegeben.
Danach wurden drei Schichten, die ungefähr je einem Spatenstichentsprachen, durchgraben, die sich deutlich voneinander abhoben. In denoberen Schichten fanden sich nur einzelne Scherben, die meisten dagegenim dritten Spatenstich und an seinem Grunde. Eigentümlich war auchin dem dritten Spatenstich das Auftreten von roten Ziegelspuren,sowie dunklen schwarzen Flecken. Diese konnten nur von eingeschlossenenK o h l e n st ü ck ch e n herrühren.
Die Fundstelle lag in der Linie zwischen dem Grenzstein an der Ecke desFeldwegs nach Westick und dem Heck der im Osten angrenzenden Weide,welche ebenfalls dem Besitzer der „Turmäcker", Herrn Gutsbesitzer Midden-dorf-Westick, gehört.
Besonderes Interesse erweckte eine Stelle, an der sich eine nach untenspitz zulaufende Vertiefung gefunden hatte. Diese war bereits wieder zuge-worfen, wurde aber auf Anraten des Herrn Studienrats Krebs, der inzwischeneingetroffen war, am 31. August wieder in Angriff genommen. Dieser Ge-lehrte, Vorgeschichtsforscher, empfahl auch, die Grabung zu erweitern und dasErdreich Schicht um Schicht abzuschälen bis auf den gewachsenen Boden. Dieroten Ziegelspuren vom hellen bis zum dunklen Rot zeigten sich in der drittenSchicht und gingen vereinzelt bis in die Übergangsschicht hinein, dagegentraten neue Funde von Scherben nur in der dunklen Schicht, dem drittenSpatenstich, auf. Diese roten Spuren erinnerten zunächst an Ziegelreste, z. T.auch an gebrannten Lehm. An verschiedenen solcher Stücke war der Übergangvon der gebrannten zur ungebrannten Erde deutlich zu sehen. Diese Annahmewurde unterstützt durch das zahlreiche Auftreten von Holzkohlen in derselbenSchicht. Gegen Abend wurde noch ein Seitengraben von der Nordseite nachOsten getrieben. Der Humus erreichte eine noch nicht beobachtete Tiefe undhob sich als Grabenfüllung deutlich ab. Er verlief in nord-südlicher Richtung