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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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36 Aliso vor der Varusschlacht

für diese Zeiten eine verhältnismäßig dichte Besiedlung Westfalens annimmtund dann sein Urteil dahin zusammenfaßt:Im Seseke-Körne-Winkel scheinenK u l t u r r e st e der v e r s ch i e d e n st e n Zeiten und Kulturen, unter denenauch Römisches stark hervortritt, über- und durcheinander zu liegen. DieWahrscheinlichkeit, daß die Gegend seit der jüngeren Bronzezeit bzw.frühen Hallstattzeit fortdauernd besiedelt gewesen ist, scheint großzu sein. Gelänge hier die Aufdeckung umfangreicher Siedlungsspuren, würdendie eben angedeuteten Fragen zweifellos der Klärung um ein bedeutendesnäherkommen. Daß der Fundstelle für die R ö m e r f o r s ch u n g besondereBedeutung zukommt, ist angesichts der Menge der Scherben, die römisch sindoder sein könnten, und der geographischen Lage des Ortes nicht zu ver-kennen. Aber es liegt m. E. auch für die Fragen der heimischen Vor- undFrühgeschichte im Seseke-Körne-Winkel eine Förderung durchaus im Bereichder Möglichkeit."

Am 19. Dezember 1927 legte nun Herr Direktor Bänfer Herrn Dr. Koenenin Neuß die ganze Fundmasse, rund 67 Stück, den Inhalt eines stark ge-füllten Reisekoffers, persönlich vor. Auf besondere Einladung des Herrn Bänferhabe auch ich mich der Reise nach Neuß angeschlossen und war bei der Bestim-mung zugegen. Aus dem Gutalten sei nur hervorgehoben, daß der weitausgrößte Teil der Scherben römisch ist, ohne daß freilich bei allen im einzelnendie Unterschiede zwischen früher, mittlerer und spätrömischer Keramik angegebenwurden. Doch hielt Herr Ilr. Koenen mehrere Stücke für augusteisch, aucheine terra 8 igi 11 a t a - Scherbe für Au g usteisch-aretinisch. Außer derrömischen Keramik fanden sich aber auch fränkische Scherben aus der ZeitKarls d. Gr. Von den übrigen Stücken sind besonders noch zu erwähnen sechsReste eiserner Gegenstände und zwar Henkel, Nägel und ein Kettenglied, weitersechs Steine, die wegen ihrer Glätte als Wetzsteine zu deuten sind. Dannwurden noch einige Stucke als Ziegelreste und Reste von gebranntem Lehmerkannt, darunter ein solches mit-dem Abdruck des Flechtwerks. Endlichseien noch erwähnt Reste von Röhrenknochen und von Zähnen von Einhufernund Wiederkäuein.

Außer diesem Gutachten ließ aber auch das schon im Herbst 1926von derselben fachgelehrten Stelle abgegebene Urteil über die schon erwähntenRohdeschen Scherbenfunde erkennen, daß der Seseke-Körne-Winkel nicht bloßauf demTurm" selbst, sondern auch im ganzen Umkreis desselben mit römi-schen Scherben hin und her bedeckt gewesen ist und zwar unter diesen wiederwas Dr. Koenen mit Nachdruck betonte augusteische Keramik, wie P a -rallelstücke dieser Gattung sich genügend zahlreich im Neuß erMuseum befinden. Interessant wäre was von anderer Seite gesagtwurde, wenn diese Keramik in manchen Stücken Ähnlichkeit mit Kneb-linghäuser Bruchstücken aufweisen sollte, und sich dadurch ein neuer Wegfinden ließe, daß Problem dieses Römerlagers noch weiter zu klären.

Was aber nun die römische Position im Westicker Feld so besondersinteressant macht, ist die Tatsache, daß unter den Scherben sich eine Gattungbefindet, die als Spezialität bezeichnet werden muß. Herr Dr. Koenennämlich betonte bei 19 Stücken, daß ihm dieser Typus noch nicht begegnetsei; er halte sie entweder für römisch oder für eine Anlehnung an sächsischeKeramik. Es sei darum erwünscht, daß das Urteil des Herrn GeheimratsDr. Schuchhardt darüber eingeholt werde, ob in sächsischen Anlagen Material