34 Aliso vor der Varusschlacht
Dr. W. Schmidt-Kamen stammenden Aufsatz: „Eine vorgeschichtlichemenschliche Niederlassung bei Kamen in Westfalen" stieß,die nach Ansicht des Herrn Verfassers im Seseke-Körne-Winkel anzunehmensei. Aus der in der Fachschrift: „Das Werk", Heft S, Jahrg. 1924 enthaltenenAbhandlung desselben Verfassers über den gleichen Gegenstand entnehmenwir, daß bei den schon erwähnten Baggerarbeiten an der Körne „in ungefähr2 ur Tiefe eine braune bis schwarze, teils tonige, teils moorige Schicht an-geschnitten wurde, die geradezu aus Knochen und Knochenresten zusammen-gesetzt war". Herr Schmidt folgert dann mit Recht, daß wir es mit Rücksichtauf die Knochenschicht mit den Überresten einer menschlichenAnsiedlung zu tun haben, zumal sich außerdem einzelne Werkzeuge undTopfscherben fanden. An Werkzeugen werden aufgeführt: 3Hirschhornkeulenoder Hacken, 1 zugespitzter Dorn, anscheinend Pfriem aus Hirschhorn, 2 Gegen-stände unbekannten Zweckes aus Hirschhorn, 1 polierter Schaber aus Feuer-stein, 1 Bronzering. Besonders interessieren dürften auch die 7 gut erhaltenenRinderschädel nebst den 49 Hörnern, an denen teilweise noch Schädelrestehafteten. Auch lernen wir aus den Funden das Wildschwein als eine äußersthäufige Jagdbeute kennen. „Die Menge der übrigen Knochen beziffern sichauf etwa 1999 Stück. Die Röhrenknochen waren zum großen Teil zerschlagen.Bei den Schädeln vom Rind sei jedesmal die Stirnplatte eingeschlagen ge-wesen. Der Verfasser vermutet, daß es sich um eine größere Siedlunghandelte, die am bewaldeten Rande eines Weihers oder eines Sumpfes lag,in den die Überreste der Mahlzeiten versenkt wurden. Sehr zu beachten istauch, daß nur der schmale Streifen von 299 rir mal 4 m, entsprechend derVachlänge und -breite, aufgeschlossen wurde. Es ist völlig unbekannt ge-blieben, wie weit nach Ost und West das Vorkommen noch geht."
Auf Grund dieser höchst dankenswerten Feststellung des Herrn Dr. Schmidtkam nun die Erforschung des nunmehr als sicher historisch anzusehenden Fluß-winkels erneut in Gang, nachdem auch der zuständige Vertrauensmann, HerrMuseumsdirektor Lübcke-Hamm, zu der Angelegenheit Stellung genommenhatte. Schon bald danach, September 1924, gingen auch mir von Herrn Lübckedie vier Bruchstücke von Tongefäßen zu mit der Bitte, mich zu äußern,nachdem bereits Herr Lübcke mit aller Bestimmtheit den römischen Ursprungdieser Keramik betont hatte. Da ich aber durchaus auf diesem Gebiet keinFachmann bin, sandte ich nach eingeholter Genehmigung die vier Bruchstückeweiter an den bekannten Verfasser der „Gefäßkunde", Herrn Dr. ü. c. Koenen-Neuß, von dem dann ein das Vorgutachten des Herrn Lübcke durchausbestätigendes Urteil einging; dasselbe stellte fest, daß das größte Bruchstückder Hals einer römischen Amphora, das kleinere das Halsstück einesrömischen Ölfläschchens sei, wie sie sich in den Mitteilungen der Alter-tumskommission für Westfalen in Bd. V, Taf. XIII bzw. III, Taf. XI (Fig.39 u. 3) abgebildet finden. Was aber das Wichtigste ist: Herrn KoenensGutachten betonte in Übereinstimmung mit den „Mitteilungen", daß diesebeiden Bruchstücke durchaus der Drususzeit eigentümlich und darumals „Ober adener Typen" zu bezeichnen sind, während die zweianderen Stücke als jüngere römische Keramik, ein Stück in der Zeit des A n -toninus Pius,das andere vielleicht als Fehlbrand anzusetzen ist.
Nun hatte ich aber auch meine eigenen 1919 im „Westicker Feld" in der