Der römische Seseke-Körne-Winkel S3
Lippe mit unterschnittenem, abgerundetem, unterem Rande sicher in wissen-schaftlich von mir bestimmtem Grabinventar der Zeit um die letzten R e -g i e r u n g s j a h r e des Tiberius. Die Kulturschicht, der die Scherbeentnommen ist, gehört also vielleicht in die Zeit des Tiberius oderCaligula." Das Gutachten, welches dann noch einen mitgefundenenAmphorenhenkel behandelt hatte, schloß mit den Worten: „eine genauereDatierung vermag ich erst zu geben, wenn die Amphorenhenkel der ver-schiedenen, nacheinander entstandenen römischen Lager bei Haltern ihren Fund-umständen gemäß wissenschaftlich gesichtet sind; denn es kommt sehr auf dieBezüge der Amphoren an. Es können verschiedene Fabriken vorliegen, diebald neuere, bald ältere Typen herstellen. Das sind freilich nur Aus-nahmen von der Regel, allein solange Möglichkeiten mitsprechen, wird derSchluß zur Gewißheit unmöglich. Das sollten besonders die A l i s o f o r s ch e rberücksichtigen."—Doch kehren wir jetzt wieder zum Seseke-Körne-Winkel zurück.
Da müssen wir nun noch kurz andeuten, unter welchen Verhältnissen dieeinzelnen Scherben fünde in der Nähe des „b e i l a u f e n d e nTurmes" südwestlich Kamen gemacht worden sind, um dann erst auf unsereGrabnng vom 29. August 1927 und den folgenden Tagen zurückzukommen.
Daß ich seit 1905, wo ich auf den Namen „Turm" stieß, eifrig daraufbedacht war, meinen Vermutungen eine bestätigende Basis in Gestalt vonVodenfunden vom ;,Turm" selbst, d. h. also aus dem Dreieck selbst zu geben,dürfen mir meine Leser glauben. Es wirkte aber für mich zunächst ent-täuschend, daß ich trotz meiner eifrigen Nachforschungen keinerlei Mitteilungenüber etwa ausgepflügte Scherben erhielt, wie von der „Burg" in Elsey.Das hängt vielleicht damit zusammen, daß das „Westicker Feld" seit jeherPflugland gewesen ist. Auch mögen die Bruchstücke sich unter dem Pflugselbst so zerkleinert haben, daß sie für die ackerbestellenden Landwirte nichtmehr so auffallend und sogar störend wirken mochten, wie für ihre Kollegenaus Elsey und Oberaden die mächtigen Reste auf der Burg, die ja erst, undauch dann nur teilweise, nach der Heideteilung von 1827 unter den Pflug kam.Aber, wie ich mich bereits 1910 unter Führung des Herrn BauunternehmersRohde aus Kamen überzeugen konnte, fehlte es keineswegs, auch im WestickerFeld nicht, an Scherben; und Herr Rohde tat durchaus recht daran, wenn er,bis dahin unabhängig von mir arbeitend, aber durch meine Forschungenimmerhin angeregt, diese Stelle für interessant und weiterer Erforschung fürwert erklärte, wobei er nicht nur sich auf die von ihm gehobenen Scherben,sondern auch auf 2 Münzen mit der Umschrift: „Eoir8tnirtriroxoli8" berief.Ich habe dann selbst 1910 unter Herrn Rohdes Führung eine Handvoll kleinerScherben an Ort und Stelle aufgehoben und sorgsam aufbewahrt, sie dannspäter dem Städtischen Gustav-Lübcke-Museum in Hamm übergeben. Nunsetzten aber vor mehreren Iahren schon die Regulierungs- und Baggerarbeitenan der Seseke und Körne ein, die ich mit starken Hoffnungen begrüßte. Zu-fällig war der Maschinenmeister, dem der Bagger unterstellt war, ein mirörtlich nahewohnender Beamter, Herr Behrmann aus Holthausen bei Hohen-limburg. Ich bat ihn, bei den Arbeiten auf Bodenfunde zu achten, die sicherzu erwarten seien; aber sie blieben zunächst aus.
Um so mehr aber war ich erfreut, als ich Ende August 1924 im „West-fälischen Anzeiger", Hamm, auf einen aus der Feder des Herrn Markscheiders