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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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L2 Aliso vor der Varusschlacht

Spaten beibringen wollen, zu zeigen, daß in der Tat die Volkskunde ein sehrschätzenswerter Bundesgenosse ist, wenn sich dieser Forschungszweig derBodenforschung zur Seite stellt und von vornherein sich bereit zeigt, seine Ver-mutungen zu berichtigen oder gar zurückzuziehen, wenn die Berufungsinstanzdes Spatens ihm seinen Irrtum nachweisen sollte.

Doch sei es mir gestattet, ehe wir dem Spaten auch für denbei-laufenden Turm" im Westicker Feld wieder das Wort geben, noch eineschon im Jahre 1911 erfolgte spatenarchäologische Nachprüfung beizubringen.Sie betrifft freilich nicht den beilaufenden Turm im Westicker Feld südwestlichKamen, sondern den Turm bei Veckinghausen an der Lippe.

Wie gesagt, zog sich mir diese Stelle vor Beginn der dortigen Grabung,die in das Jahr 1911 fiel, mit der S99 ru westlich gelegenen HöheKnapport"zu einer Einheit zusammen. Doch folgte ich schon in den Anfangsjahrenmeiner Alisoforschung 1994/9Z durchaus den Angaben der Oberadener Land-wirte, wie auch den Mitteilungen, die mir in Veckinghausen selbst gemachtwurden, wenn ich denHünenpa d" nicht auf den etwas östlicher gelegenenTurm, sondern auf denKnapport", die Stelle des Veckinghäuser Friedhofes,zugehen ließ.

Sich stützend auf meine Karte inAliso bei Oberaden" hat dann einermeiner Freunde, der leider zu früh der Wissenschaft entrissene Herr Re-gierungsbaumeister Tiemann, der selbst aus Veckinghausenstammt, am hohen Lippeufer westlich vom Turm eifrig geforscht und sofortauch Scherben gefunden, die zur Entdeckung des Uferkastells bei-trugen. Herr Tiemann fügte der Zusendung derselben an mich die Bemerkungbei:Sollten dieselben als römische erkannt werden, so würde ihre An-nahme eines vielleicht befestigten Lippeüberganges in der Nähe der fraglichenStelle ja immerhin weiteren Halt finden."

Ich legte dann die Tiemannsche Scherbensammlung dem StadtarchivarPick-Aachen sofort nach Empfang (Herbst 1996), darauf dem Kaiser!. Archäol.Institut in Frankfurt a. M. (1919) vor, auch hatte ich alsbald die Fund-umstände imM ü n st e r i s ch e n Anzeiger" (Nr. 794, 26. Okt. 1996)besprochen. Sofort nahm auch Prof. Koepp von der Sache Notiz, indem erin einem Vortrag über die Ausgrabungen in Haltern und Oberaden bemerkte:Ein friedlicher Wettbewerb soll es sein und bleiben. Wir wollen den Obera-denern ihre hölzernen Speere gönnen, ihre unrömischen Scherben und ihrenfeuchten Lehm, ja selbst ihr ,U f e r k a st e l l'^, das heute mittag im Münste-rischen Anzeiger' aufgetaucht ist."

Inzwischen hatte ich aber auch Herrn Dr. Koenen den ganzen Scherben-fund zugesandt und erhielt daraufhin ein sehr umfassendes Gutachten, ausdem ich hier nur mitteilen will, daß es sich um 3 Arten von Gefäß-resten handelt, nämlich zunächst um einheimisch keltische oder germa-nische Arbeiten der römischen oder vorrömischen Zeit. Daran schlössen sichrömische Scherben an, die mit der Keramik des Lagers bei Oberadendurchaus gleichzeitig waren. Besonders interessant aber war das BruchstückNr. 17, von dem Koenen urteilte:Zweifellos das Bruchstück der Lippe einesgelbweißen römischen Henkelkruges. Ebenso sicher entstammt das Stück derfrühesten römischen Kaiserzeit. Der Ursprung der Technik oder Form istgriechisch-etruskisch. Hier am Rhein erscheint die oben etwas eingeschnürte

' Tafel 4: Uferkastell.