Der römische Seseke-Körne-Winkel S1
tief im Volksbewußtsein wurzelte, dann werden wir uns nun auch nicht mehrwundern, wenn gerade auf dieser Linie, die schon, wie gesagt, Nordhosf alseine von den Ruhrbergen bis Heil an der Lippe mit Hünensagen verknüpfteeigenartige Zone auffiel, West ick einen bemerkenswerten Punkt darstellt.Der Name „Hexen-Westick" kann darum füglich als charakteristisches Binde-glied betrachtet werden zwischen der „Teufelskll ch e" im Süden und derHllnensage Töddinghausen-Heil weiter nördlich.
Wir werden, den Schleier schon jetzt lüftend, sagen dürfen, daß wir voreiner militärischen Zone stehen, die von der Ruhr bis zur Lippe gereichthat. Ist es doch ein schon von Müllenhoff aufgestellter Grundsatz, daß sichSagen stets auf Tatsachen stützen. Es wird sich also nur darum handeln,das Geranke und die Wucherungen abzutrennen, um den geschichtlichen Kernzu erfassen. Dabei gilt es aber, die einzelnen Sagen nicht bloß bezüglich ihrerGrundidee, sondern auch mit Rücksicht auf ihre Verschiedenheiten mitein-ander zu vergleichen, um einen Fortschritt und den Gang der Entwicklung,schließlich den Ausklang und Abschluß zu erkennen.
Da leistet uns denn die Sage am sog. „Heidenpossen" oder „Heiden-poste n" zwischen der „Teufelsküche" bei Massen und Westick, am Wege vonWickede nach Unna einen erwünschten Dienst. Seit Jahrhunderten hat sichmit dieser Stelle die Sage verknüpft gezeigt, daß je und dann, wenn schlimmeZeiten bevorstanden, zuletzt im Jahre 1889 beim großen Bergarbeiterstreik,sich ein rauher blutiger Pferdeschenkel im dichten Nebel zeige;dieses Menetekel kündet Krieg und Pestilenz an. Zugleich aber heißt esbemerkenswerterweise noch: Wenn dieses Zeichen erscheine, kämen auch dieHeiden wieder. Sie also sind es, die als Hünen einst im Lande hausten,damals aus ihm weichen mußten; aber so jedoch, daß mit ihrer Rückkehr anihre alte, einst behauptete Grenze immer noch gerechnet werden muß. Ihrbefürchteter Einbruch erfolgt, wie das oft genug auch bei den Römern derFall gewesen sein mag, im Nebel. Aber schließlich zerbricht auch ihre Herr-schaft, denn sie werden uneins untereinander. Von den übrigen Bewohnernim Lande, das sie unterjochen wollten, bedrängt und in ihrem eigenen heid-nischen Verband durch Zuchtlosigkeit geschwächt, gehen auch sie ihrem Zu-sammenbruch entgegen, wie ein letzter noch aus dem Drama zwischenTöddinghausen und Heil zu uns herübertönender Nachhall uns zeigt, wo derRiese von der Seseke mit seinem Genossen an der Lippe aneinander gerät, uman der heute noch sichtbaren „R i e se n k u h l e" einen tragischen Tod zufinden.
Wir hielten uns verpflichtet, den Gang unserer Untersuchung durch dieseseingelegte Zwischenstück der religiösen Volkskunde zu unterbrechen,um letzten Endes auf diesem Wege, so weit es uns möglich war, Licht zubekommen über die Geschichte der „Türme", mit denen sich das Volk be-schäftigt hat. Daß sie lediglich bedeutungslose Anlagen gewesen seien, die alslandwirtschaftliche Einrichtungen benutzt worden seien, oder daß die Spurenkirchlicher Umrankung oder Übermalung so sehr den ursprünglichen Charakterdieser Bauten geändert hätten, daß die versuchte Aufdeckung und Wieder-einstellung in ihren militärischen Zusammenhang unmöglich sei, wirdkeiner nun noch behaupten wollen. Daneben aber lag uns daran, an einemBeispiel, für das wir alsbald die Nachprüfung und Bestätigung durch den