Druckschrift 
Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
Seite
50
Einzelbild herunterladen
 

Ll> Aliso vor der Varusschlacht

beieinander! Wir brauchen nur an die Heidenstraßen der Hünenpädde zudenken, und es wird uns auch der Weg von dort bis zur Beschützerin desLandbaues nicht mehr so weit erscheinen! denn gerade sie sollte es ja sein,die den Fluch der Unfruchtbarkeit von diesen öden Straßen nahmund neuen Mut geben mußte, Stätten zu betreten, die ja schon, wie uns er-innerlich, den heidnischen Vorvätern im Lippe-Seseke-Winkel als unheimlich,ja alsnetzumstellte Gräber" galten. Und war das Heidentum schlechthin dieWelt des Todes und der Finsternis, so mochte bei weitergehender Läuterungund Vergeistigung auch Margaretha sich erheben zur Beschützerin deskeimen-den Lebens" überhaupt. Wissen wir doch auch, welche Scheu heute noch aufdem Landehoffenden Müttern" vor dembösen Blick" innewohnt.

Noch fabelt z. V. das Volk in der Nähe derTeufelsküche" bei Massenwestlich Unna, daß eben hier bis auf diesen Tag böse Geister umgingen;Grenzsteinverrücker trügen die Steine noch als schwere Last am Acker entlang,an dem sie die heiligen Male nicht achteten und versucht hätten, ihren Besitzzu vergrößern. Noch immer treibe sich böses Gesindel dort um, Zigeuner undBärenführer schlügen dort ihr Lager auf, ein gefährliches Volk, mit dem mannicht in Verbindung kommen dürfe, denn sie verständen sich aufs Zaubernund seien mit dem Teufel im Bunde, der Schaden an Leib und Seele überdie brächte, die sich in dieTeufelsküche" hineinwagten. Man könne sich nurfreuen, wenn der Schaden nicht zu schwer sei für Wagehälse, die diesenSchlupfwinkel der Dämonen beträten: aber ohne den geringsten Zoll, d. h.ohne verdickte Lippen und beulenartige Geschwulst, käme keiner aus dieserTeufelsküche" wieder heraus.

Nun liegt aber diese Örtlichkeit nur 7 lein südlich vombeilaufendenTurm" im Westicker Feld an einer Linie, die schon vor 5V Iahren demProfessor Nordhoff-Münster aufgefallen war, weil sich an dieser in geraderFolge von Süden nach Norden Hünensagen aneinanderreihen. Sie sind sichdarin gleich, daß es sich immer um das eine Motiv handelt, das wir auchschon früher an der Töddinghäuser Riesensage bemerkten, indem dieseGrenzhüter, wie wir sie nennen können, alle miteinander in Verbindungstehn und zu gleichem Dienst verbunden sind. Einer ist vom andern abhängig;sie bilden eine Art Notgemeinschaft, denn sie werfen sich gegenseitig ihr Hand-werkszeug zu, das so überaus dürftig vorhanden ist, daß eben mehrere sichdarin teilen müssen. Es sind Vertreter einer schon um viele Jahrhundertezurückliegenden Periode, weshalb denn auch mit dem Begriff des Hünen-reiches sich außer dem des Heidentums die Anschauung eines unvor-stellbaren Alters verband, wie denn auch die Volkschronologie der westfälischenNibelungensage Wendungen gebraucht wie:damals, als noch die Hünen imLande lebten". Sie weiß außerdem, daß das Menschengeschlecht dann anStärke immer mehr abnahm, als die Hünen ausgestorben waren; und wennsie den Gegensatz von heidnischer und christlicher Zeit schildern will, sagt jeneSage einfach, daß diese Menschen nicht mehr als Hünen bezeichnet wurden.

So verfügte auch Balduin von Flandern, im Jahre 962, um ein untrüg-liches Zeichen der Unterscheidung zu gewinnen, diejenigen seiner Untertanen,die dem Irrglauben ihrer h »irischen Voreltern entsagt hätten, solltenöffentlich in Ppern Katzen schlagen.

Wenn der Begriff des Wortes Hüne ein so fest umrissener war und so