Der römische Seseke-Körne-Winkel 49
Namen ein anderer Sinn untergeschoben werde. Es ist die Zeit, wo auchauf unserem Forschungsgebiete die alten Römer st raßen zu Hünen-pädden oder Heidenstraßen wurden. Ihr Zug, noch vor Iahren nach-weisbar, heute, im Zeitalter wirksamerer Düngung fast ganz verwischt, kenn-zeichnete sich durch schlechten Wuchs der Ackerfrüchte: ganz natürlich, denn dieRömer hatten den feuchten Boden durch Auftragung von Lippesand gangbarzu machen versucht, weshalb denn auch im März bei abgehendem Frost diehistorischen Linien, schneller trocknend, deutlich sichtbar waren: sie zogen sichals hellere Streifen durch die Landschaft.
Wenn nun noch vor einem halben Jahrhundert die Kartoffelkäufer denBauern sagten: „Wir wollen aber keine vom ,Hllnenpad"', so glaube ich, daßdabei auch noch eine in Westfalen überhaupt verbreitete, altererbte Abneigunggegenüber dem Heidentum mitgespielt hat, wie noch heute die Mär umgeht,wo die Hunnen gezogen seien, müsse alles Leben verdorren. Kamen nun garan den Hünenpädden die „H e i d e n p ö t t e" mit Tote nasche undKnochenresten ans Licht, so mochte man gar glauben — was auchnoch in der Edda nachklingt —, die Unterwelt selbst habe sich aufgetan undFeuer schlage empor; wie auch noch heute am Abhang des römischen Ufer-kastells bei Beckinghausen ein „Geldfeuer" brennen soll, und der an denLstsaum des Legionslagers angrenzende Strich „Goldäcker" heißt.Wer aber geneigt sein sollte, alle diese mit dem historischen Boden sich ver-knüpfenden typischen Flurnamen für bedeutungslos zu halten, dem mag nochein weiteres Wort gesagt sein, das uns auf die Frage des historischen Pa-tronats der Kirchengemeinde Methler zurückführt. Wir stehen nämlich eigent-lich vor einem Doppelpatronat; denn neben der heil. Margaretha mußschon früher das Patronat der „Thebäer" bestanden haben.
Wie wäre es denn sonst zu erklären, daß der Tag der ursprünglichenKirchweih, der heute noch in Gestalt der Kirmeß durchscheint, wiederausgerechnet auf den 17. September fällt. Dies ist aber eben der Tag derThebäer. Wir gehen auch hier weiter unsern nüchternen Forschungsweg, wennwir aus diesem Tage auf das ursprüngliche Patronat schließen. Sollte esnun wohl denkbar sein, daß an diesem Kirchweihtage auch der Sante-Moritz-teich unerwähnt blieb? Sicher gab es kein wirksameres Erziehungsmittel imSinne der Kirche, als eben solch ein leuchtendes Vorbild, das nun auch dazudienen sollte, den Kampf gegen noch wucherndes Heidentum mutig weiter zuführen, jetzt auch in der treuen Gefolgschaft der dem Thebäerkult nahestehen-den Margaretha.
Und wer nun die berühmten, durch den bedeutenden Kunsthistoriker Pro-fessor Lübcke aus Dortmund vor nun fast 8 Jahrzehnten wieder entdecktenWandgemälde im Chor der Methlerer Kirche andächtig betrachtet, dem mußsofort eins auffallen: die mittlere Bilderreihe stellt die kriegerischenHeiligen dar, die sog. „^tlUekue EUristi", kenntlich an ihren kriegerischenSymbolen. So mag denn immerhin die unter ihnen einen Ehrenplatz be-hauptende Margaretha als Erbauerin von Kirchtürmen und Kirchwegengegolten haben, das hindert nicht, auch bei ihr die historische Seite be-sonders zu betonen und beide Anschauungskreise so miteinander zu verknüpfen,daß sie sich gegenseitig ergänzen.
Und wie nahe liegen doch die in Frage kommenden Gebiete gerade hier
Prein, Aliso und die Varusschlacht 4