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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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Der römische Seseke-Körne-Winkel 45

daß die Gemeinden Horstmar und Beckinghausen zur Parochie Derne gezogenwurden. Nun hat aber sogar, wie Herr W. Greuel in Düsseldorf, ein sehrverdienter Altertumsforscher und Urkundensammler, auf einer von ihm imStaatsarchiv zu Wetzlar entdeckten Karte der Gegend südlich Lünen aus demJahre 1664 festgestellt hat, dieser Landwehr parallel weiter westlich noch einezweite Landwehr bestanden. Diese letztere, auf jener Karte alsalte" Land-wehr bezeichnete Linie kommt von AltenDerne, geht nordöstlich durch dieNierstheide, um sich dann in der Nähe des Gehöftes Erdelbrauck mit der schonbeschriebenenneuen Landwehr" zu vereinen. Es ist bedeutsam für unsereUntersuchung, daß auch diealte Landwehr" keine sprachliche Verschieden-heit mehr bedingen konnte; und wenn wie schon Hülsenbeck vermutete, indiesen Landwehren uns früheste, aber nicht festgehaltene Dortmunder Graf-schaftsgrenzen begegnen, so sind auch diese ohne Wirkung auf die Gestaltungder Sprache geblieben, die sich als Mundart gegenüber allem Wechsel, auchder späteren Territorialverhältnisse, standhaft behauptete. Aber doch wäre eszu gewagt, wenn wir allein auf diesen Grundlagen kultureller und mund-artlicher Eigenart unsere weiteren Schlüsse und Feststellungen aufbauenwollten, sie ruhen zum Glück auf einer viel festeren Basis, der auch dasschlagendste Beweismittel, die römische Keramik, nicht fehlt.

IX. Der römische Seseke-Körne-Winkel an der Ostgrenze desSonderbezirks und die Grenzlinie derTürme" ^

Die ersten Eindrücke von der historischen Bedeutung des Seseke-Körne-Winkels südwestlich Kamen gewann ich auf dieselbe Weise wie bei meinerOberadener Forschung, nämlich auf dem Wege archivalischer Prüfung derFlurnamen und durch Befragung der Volkskunde. Außerdem schien mir derSeseke-Körne-Winkel in besonderem Maße geeignet für eine militärischeAnlage, da ein mäßig ansteigendes Gelände sich, wenn auch nur einige Meter,über die Hochwasserzone erhebt, vor allem aber durch den Wasser- undSumpfgürtel der Bachniederung vortrefflich gedeckt ist. Diese Deckung erscheintan der Nordseite sogar in verdoppelter Stärke, denn hier mündete vor derjüngst erfolgten Regulierung die Körne nicht in der natürlichen Verlängerungihres süd-nördlichen Unterlaufs in die Seseke, sondern bog 366 irr südlichderselben nach Westen um, floß noch diese Strecke dem Hauptbach parallel,um dann erst sich mit diesem zu vereinen. Das ist eine so seltsame Erscheinung,daß man, besonders auch wegen der geraden Linienführung des Körnebaches,auf die Vermutung kommen könnte, diese Richtung sei nicht die ursprünglichegewesen, sondern künstlich hergestellt worden. So auffallend es nun auchzunächst scheinen könnte, daß diese von Heil über den Töddinghäuser Bergziehende Linie eine 1 Urrr betragende Einknickung nach Osten macht, so scheintmir doch der Grund deutlich genug zu sein.

Hier gerade finden wir den Grundsatz der Augusteischen Grenzsicherungangewandt, indem Berg und Fluß beide nach militärischen Grundsätzen in dieSperrlinie einbezogen wurden. Eine verständige Grenzführung, die dienatürlichen Vorteile des Geländes sich zunutze machen mußte, konnte wederauf die höchste Erhebung auf derLüner Höhe" verzichten, noch auch die

> Tafel 3: Römische und andere Fundstücke aus dem Seseke-Körne-Winkel.