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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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Die Wegführung der Sugambrer durch Tiberius 8 v. Chr. 41

Stämme wie die Usipeter, Tenkterer und Tubanten auf das südliche Lippeuferverpflanzten. Dadurch wurde ihr Land zwischen Rhein, Jssel und Lippe frei,aber keineswegs wieder neubesiedelt, sondern als Ödland belassen, damitdie Berührung zwischen den Römern auf dem linken und den Germanenauf dem rechten Rheinufer durch ein Zwischenland reguliert würde. Mankönnte, um einen modernen Ausdruck zu gebrauchen, an einen Pufferstaatdenken. Außerdem galt diese Zone, dieses Freiland in friedlichen Zeiten alsNutzland für die Garnison Vetera, die hier ihr Schlachtvieh weiden ließ.Durch dieses siedlungsfreie Zwischengebiet war auch die 41 Irin betragendeStrecke von Vetera bis Haltern etwa auf die Hälfte verkürzt, und die mili-tärische Verbindung wesentlich erleichtert.

Noch viel umfassender waren die Verschiebungen auf dem südlichenLippeuser. Hier war nach Aushebung der Nordsugambrer deren Altland freigeworden. Wir können uns sofort sagen, daß es sich hier um eine Zwangs-maßnahme gehandelt hat, die den Römern nötig erschien im Blick auf diezukünftige Verwendung Alisos und der weiter ins Innere führenden Heer-straßen. Gegenüber einem so gefährlichen Feinde, wie es die Sugambrerwaren, muhte entweder am südlichen Lippekuie eine äußerst starke Besatzungdauernd stationiert bleiben, oder es mußte auch hier Ödlegung des Umlandesin angemessener Entfernung erfolgen.

Wir werden aber zur Erläuterung und Stütze unserer Auffassung nocheine Notiz verwenden dürfen, die wir bei Tacitus finden. Dort wird einembritischen Volksstamme, den Siluren, mit dem Schicksal der Sugambrergedroht für den Fall, daß sie sich widerspenstig zeigten? denn die Sugambrerseien ja teils völlig ausgetilgt, teils auf linksrheinisches Gebiet verpflanztworden. Es ist nun ganz klar, daß mit dieser Ausrottung (sxcisio)das Umland von Ali so gemeint ist. Hier gilt es nun aber auch, dieSchlußbemerkung des Strabo über die Umgestaltung in den Siedlungs-verhältnissen südlich der Lippe unterzubringen:Aus diesem überrheinischenLand haben die Römer einen Teil nach Gallien verpflanzt, andere aber sindvorher ins Innere zurückgewichen, wie z. V. die Marsen; zurückgeblieben sindnur wenige und ein Teil der Sugambrer."

Das ethnographische Kartenbild wird uns nun noch deutlicher werden,wenn wir zunächst die Wohnsitze der Marsen nachweisen. Wenn siesich einer gewaltsamen Versetzung auf das linke Rheinufer durch Entweichenin ein tiefer im Lande liegendes Gebiet entziehen, so hat diese Maßnahmenur dann Sinn, wenn dies Gebiet so unzugänglich ist, daß sie vor den Römernsicher waren. Wir können die Marsen nur südlich des Altlandes der Sugam-brer unterbringen um die mittlere und untere Ruhr. Und eben hier auchmuß der zurückgebliebene Teil der Sugambrer angenommen werden,mit denen sich die Marsen vermischten. Da uns nun hier auch die Chat-tuarier begegnen, so nehmen wir an, daß wir in ihnen einen Teilstammvor uns haben, für den auch der Name der Sugambrer gebräuchlich war.Es muß sich um das gebirgige nördliche Sauerland und den nördlich vor-gelagerten Streifen handeln, also um einen Bezirk, der wie eine natürlicheFestung Sicherung zu bieten schien, auch vordem nur spärlich besiedelt war,darum auch den Marsen Möglichkeit zur Neusiedlung bot, als sie aus