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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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Die Wegführung der Sugambrer durch Tiberius 8 v, Chr. 89

damaligen Lippemündung verblieb, überschritt Tiberius den Rhein undzog auf der Lippestraße ins Gebiet der Sugambrer, ganz gewiß, wenn auchder Name Aliso uns nicht genannt ist, eben hier sein Hauptquartier errichtend.

Es wäre wohl nicht überflüssig, nebenbei die Frage zu stellen, wie imletztvergangenen Winter die Belegung des Platzes war. Waren die Legionenmit der von Centurionen an den Rhein getragenen Leiche des Drusus unterdem Kommando des Tiberius abgezogen, um in Vetera ihr Winterlager zubeziehen? Waren nur Hilfstruppen zurückgeblieben, die ihren Bedarf ausden Lieferungen an Ort und Stelle deckten, möglicherweise auch aus derGermanenbeute von Arbalo ergänzt hatten? Die Frage ist für die Wieder-erkennung Alisos darum von besonderer Bedeutung, weil neben und außerrömischer Keramik auch außerordentlich viele unrömische, germanische Gefäß-scherben sich im Lagerboden fanden, von denen doch nur ein Teil aus dergermanischen Ursiedlung Aliso stammen kann. Die übrigen Bruchstücke müssenauf Hilfstruppen gedeutet werden, wie ja auch solche die einzige Besatzungder drusianischen Rheinkastelle bildeten. Dabei ergibt sich auch die ebensointeressante wie wichtige Unterfrage, in welchem Verhältnis damals dasLippeuferkastell zum Hauptlager gestanden hat. Ist damals, beim Weiter-marsch der Legionen zum Rhein, etwa das Legionslager geräumt und nachnur zweimaligem Gebrauch als Winterlager in die Reihe der Sommerlagerüberführt worden, so daß es sich auch unter diesem Namen erhalten hat?Sicher konnte eine Besatzung von Sül) Mann im Uferkastell, das nicht um-sonst einen dreifachen Graben hat, den Wachtdienst wohl versehen, Späh-kommandos ins Vorland entsenden, Nachrichtendienst über das HalternerAnnabergkastell zum Rhein vermitteln, also Vorpostendienste leisten zumSchutz der Rheinlinie.

Aber Anfang des Kriegsjahres 8 v. Chr. mußte Tiberius wieder mitgroßer Macht und zwar mit Legionen anrücken, denn nun galt es, mitunbedingter Gewißheit des Erfolges einen Gewaltakt ausführen. Überdiesen berichtet wieder Dio Cassius: dieBarbaren" hätten beim Anrückender ungeheuren Römerheere Gesandte geschickt. Nur die Sugambrer hättensich dazu nicht verstehen wollen. Erst in dem Augenblick, als Augustus drohte,er werde ohne die Sugambrer sich auf keine Friedensverhandlungen einlassen,sahen auch diese ein, daß sie allein zu schwach zum Widerstand seien. Washätten sie auch gegen einen Feind unternehmen können, der damals Alisomit 12 0t)l) Mann Kerntruppen erneut besetzte und durch die schiffbare Lippemit dem Rhein in Verbindung stand? Es muß gerade im Jahre 8 v. Chr.gewesen sein, als Tiberius seine diplomatische Rolle mit Meisterschaft undleider auch mit nur zu gutem Erfolg spielte, von der er, ohne vor sich selbstzu erröten, später dem Germanicus gegenüber soviel Aufhebens macht, indemer selbst seine wirksamsten Kampfmittel anführt und vondiplomatischerVerhandlungskunst" spricht, wo uns der historische Bericht des Dio Cassiusdie nackten Tatsachen nennt. Diese bestehen darin, daß die Sugambrer, ohn-mächtig und isoliert, wie sie damals waren, endlich auch ihrerseits Gesandteschickten. Aber sie erreichten nichts, vielmehr fanden ihre Bevollmächtigten und es scheint wohl der gesamte Adel mit jener Mission beauftragt ge-wesen zu sein allesamt ein tieftragisches Ende. Augustus nämlich ent-blödete sich wirklich nicht, sein kaiserliches Ehrenwort eines sicheren Geleites