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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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38 Aliso vor der Varusschlacht

Wahrscheinlich hat ein großer Teil des Heeres dem geliebten Feldherrn dasletzte Geleit gegeben. Sueton erzählt uns noch, Tiberius habe, selbst demTrauerzuge zu Fuß voranschreitend, den Leichnam bis nach Rom begleitet,wo dann die Asche im Mausoleum des Augustus beigesetzt worden sei. Vorherhatte eine große Trauerversammlung, bei welcher der Kaiser selbst die Ge-dächtnisrede gehalten hatte, auf dem Marsfeld stattgefunden.

Wir erkennen nun aus der Beschreibung des Weges, den der Trauerzugauf deutschem Boden nahm, wie weit es damals schon mit der Romanisierungwenigstens des Gebietes gekommen war, das dem Machtbereich der Drusus-festung unterstellt war und in dessen Grenzen lag: denn wenn Velleius unsmeldet, daß Drusus Germanien bezwungen und fast in den Stand einersteuerpflichtigen Provinz gebracht hätte, so kann doch nur der westliche Teildes in Frage kommenden Gebietes gemeint sein, der aber auch nicht bis zurWeser ging, denn sonst würden wir nicht begreifen, daß derselbe Vellejus esin vollen Tönen preist, daß es dem von ihm fast vergötterten Tiberius imJahre 4 n. Chr. endlich gelang, mitten in Germanien sein Heer im Winter-quartier zu belassen. Die also bezeichnete Gegend aber ist noch westlich derWeser anzunehmen. Damit stimmt nun gut eine Beobachtung, die sich unsbei aufmerksamer Durchmusterung unserer Berichte alsbald aufdrängt, näm-lich daß es tatsächlich das Sugambrerland ist, das andern voran unterstarken römischen Einfluß gebracht worden ist, wie es auch bei einem Lagerwie Aliso gar nicht anders möglich war: denn sicher ist der Burghügel zwischenLippe und Seseke den Römern kein Jsolierschemel gewesen, sondern einAusgangspunkt für Durchdringung des Umlandes mit römischer Kultur. Wirwerden daher von einer Zone reden dürfen, die nicht allzu weit östlich deralten Drususfestung als die tatsächlich erreichte Sperr linie gelten kann,und sie wird uns auch wirklich noch begegnen. Westlich derselben und wirgebrauchen schon hier den Ausdruck des Tacitus:Zwischen dem Kastell Alisound dem Rhein" also westlich der genannten von Norden nach Südenziehenden Sperrlinie liegt ein S o n d e r g e b i e t, das uns den Erfolg derdrusianischen Politik noch heute erkennen läßt, wie wir es aber erst später dar-stellen wollen.

In der Tat aber gelten schon bei Drusus' Tod die Sugambrer als be-zwungen, ja in ihrer Macht als gebrochen. Es ist daher auch nur die geschickteund folgerichtige Weiterführung der Drususpolitik, wenn Tiberius, sobalder sein Kommando angetreten hatte, den Sugambrern, wenigstens den Nord-sugambrern zwischen Lippe und Ruhr, vollends den Garaus machte. Daß ersich dabei wieder auf das Lager bei Oberaden stützte, ist selbstverständlich,wenn auch die schon 1911 aufgetretene Annahme, unser Lager sei erst durchTiberius im Jahre 8 v. Chr. bei der Verpflanzung der Sugambrer erbautworden, sich nicht halten läßt.

VII. Die Wegsührung der Sugambrer durch Tiberius

8 v. Chr.

Mit dem Frühjahr 8 v. Chr. war auch Tiberius wieder und zwar zu-sammen mit seinem Stiefvater Augustus am Rhein erschienen. Währenddieser auf dem linken Rheinufer wir nehmen an in Vetera gegenüber der