Der Drususzug 9 v, Chr. und Drusus' Tod in Aliso 35
ebendort auch der Gründer des Lagers gestorben ist. Wenn wir nun in derDarstellung des Zuges selbst fortfahren, so folgen wir dem Drusus vomCheruskerland aus nach Überschreitung der Weser bis an die Elbe, vonwo er nach Errichtung von Siegeszeichen wieder umkehrte, nachdem eine ger-manische Seherin ihm ein gebieterisches Halt! zugerufen haben soll.
Wir haben nun noch eine besondere Notiz über den Ort, an dem derHeimkehrende den schweren Unfall erlitt, der nach 30 Tagen seinen Tod zurFolge hatte. Strabo nämlich hält für nötig, im Zusammenhang der von ihmbeigebrachten Flußnamen Ems, Weser und Lippe auch eines kleinen FlüßchensErwähnung zu tun, von dem er sagt: „Es gibt dort auch einen FlußSalas, zwischen welchem und dem Rhein Drusus Germanicus kämpfendund siegend seinen Tod fand." Nun hat man freilich bislang stets diethüringische Saale, an der Halle liegt, für das Gewässer gehalten, bei dessenÜberschreitung des Drusus Pferd scheute und der Reiter so unglücklich zu Fallkam, daß er einen komplizierten Beinbruch sich zuzog. Aber es handelt sichoffenbar um einen Fluß nördlich vom Harz. Drusus hatte ja vomCheruskerland aus seinen Marsch nach Osten fortgesetzt und kann nur inder Magdeburger Gegend die Elbe erreicht haben, von wo er seinen Rück-marsch antritt. Dieser führte ihn dann in der Gegend von Hildesheim, wospäter ja auch der berühmte römische Silberfund gemacht wurde, an dieLeine. In diese mündet bei Elze ein Flllßchen Saale, an dem Salzhemmen-dorf liegt. Es ist die sog. „Kalenbergische Saale", die den 441 inhohen Thüster Berg umfließt. Diese entspricht nun allen Bedingungen, diean den Fluß zu stellen sind, der durch die Tragik in des Drusus Leben soberühmt geworden ist. Daß auch Strabo ihn gemeint hat, geht auch schon ausder Reihenfolge seiner Aufzählung hervor, bei der die Elbe gar nicht mehrerwähnt wird, wohl aber die Weser, weil Drusus eben schon in deren Fluß-gebiet gelangt war. Schon hat Strabo die Lippe genannt, da erscheint esihm angemessen, noch einen Nachtrag zu geben und die kleine Saale auch nochzu erwähnen.
Zwischen ihr und dem Rhein nun liegt auch das Sommerlager, in demDrusus „bewußt und groß" seinen Geist aushauchte; es hat von diesemschwarzen Tage an bei den Soldaten den Namen „Unglückslager" geführtund es wird wieder von Dio Cassius in ähnlicher Weise erwähnt wie bei derGründung, wo wir aus der Gegenüberstellung mit dem „unmittelbar amRhein liegenden Chattenkastell" für das Lager am Elison (Seseke) einenentsprechend weiteren Abstand annehmen müssen. So sagt denn auch derselbeSchriftsteller, Drusus sei gestorben, „ehe er den Rhein erreicht habe";und aus einer anderen Angabe bei Valerius Maximus wissen wir, daß derSterbeort 200 römische Meilen von dem Punkte des Rheines ablag, bis zudem das „eben besiegte Barbarenland" reichte. Denn dieses muß Tiberiusim schnellsten Tempo, nur mit einem einzigen Begleiter, dem GermanenAntabagius, durcheilen, um zu seinem schon mit dem Tode ringenden Bruderzu gelangen, den er auch noch lebend antrifft. Das „eben niedergeworfeneBarbarenland" kann nur das rechtsrheinische Gebiet sein zwischen Main undLippe. Straßen, die für diesen Schnellverkehr geeignet waren, auf denenauch Umspannstatiouen mit geordnetem Pferdewechsel sich aneinanderreihten,Straßen, die in völlig befriedetem Gebiet lagen, wo dem römischen General
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