34 Aliso vor der Varusschlacht
Treiben der Soldaten in den Hütten des Lageranhangs, den cairudae, vondenen unsere „Kneipen" ihren Namen haben. Es fehlte ja auch nicht anWein: wie uns die Riesenfässer, die im Dortmunder Museum in der Abtei-lung Oberaden aufbewahrt werden, zeigen, daß das köstliche Naß auf weitenWegen, aus Gallien und dann die Lippe herauf zu Schiff in dieses weitvorgeschobene Lager geschafft wurde. Da konnte es nicht ausbleiben, daß dieheißblütigen Südländer auch aneinander gerieten, und oft genug mag derRebstock der Centurionen auf den Nacken der Soldaten niedergesaust sein,wenn es zu Ausschreitungen kam. Oft genug mag auch der Profoß einTodesurteil vollstreckt haben, wohl gar nördlich vom Lager auf den„Stapeläckern", vor der porku ckeeuirruiru, „durch welche nach den allge-meinen Bestimmungen die Verbrecher zur Aburteilung abgeführt wurden".Sollte vielleicht heute noch der Name „Stapeläcker" an den „Gerichtsstapel"erinnern, und deutet wohl gar auch die hier noch vorhandene „Galgeneiche"noch auf dieselbe ehemalige Bestimmung dieses Bezirks hin? Nach diesemBesuch im Drususlager kehren wir zurück zu den Kriegsunternehmungen desjungen Helden.
VI. Der Drususzug 9 v. Chr. und Drusus' Tod in Aliso
Nachdem Drusus in der von uns beschriebenen Art das Jahr 10 v. Chr.dem Ausbau seiner nun im Nordwesten Deutschlands bereits gut verankertenMacht gewidmet hatte, fühlte er sich im fosgenden Jahre, das auf derRuhmesbahn des schon mit 30 Jahren vollendeten Feldherrn das letzte seinsollte, stark genug, zum entscheidenden Schlag auszuholen.
Dieser ging diesmal vom Schwesterkastell Alisos an der Mainmündung,dem Chattenkastell, aus und zwar so, daß wir auch auf die Rolle, welche diewestfälische Drususfestung dabei spielte, einen Schluß machen können. Wiehätte je der kühne Feldherr diesen Vorstoß gegen die Chatten und weiterhingegen die Cherusker an der mittleren Weser unternehmen können, wenn wahrwäre, was manche Forscher meinen aus der Fundmasse des Lagers in Elseyfolgern zu müssen, daß nämlich dies Bollwerk schon ein Jahr nach seinerGründung auf Nimmerwiedersehen den Römern verloren gegangen und indie Hände der belagernden Germanen gefallen wäre.
Daß dieses Lager eine schwere und lange Belagerung durchzumachengehabt hat, ist freilich durch die oft genannten Mauerspeere (pilu nirwuliu),die sich im Moorgrund des Nordwestgrabens fanden, unwiderleglich erwiesen.Wie aber kann, um von anderen gegen diese Annahme sprechenden Gründenzunächst noch zu schweigen, ein Kriegszug wie 9 v. Chr. unternommen und inder Verlängerung nach Osten weitergeführt worden sein, wenn die Militär-station an der mittleren Lippe preisgegeben und damit auch die Zufuhr undder Nachschub von Proviant auf der Lippe von Vetera aus unmöglich gemachtwar? Ein in den Händen der Römer befindliches Drususlager bei Oberadenwar daher ein strategisches Erfordernis ersten Ranges geradefür den letzten Zug des Drusus.
Wir müssen auf diesen deshalb aber auch noch genauer eingehen, weilbei Aliso der Drususaltar gestanden hat, der uns dafür bürgt, daß