Das Drususlager in der sugambrischen Bauerschaft Aliso — Elfe 33
großpolitische Unternehmungen mögen auf diesem bis heute noch nicht wiederbesiedelten Erdbodenquadrat angebahnt und zur Tat geworden sein! Wie oftmag hier eine glänzende Tafelrunde versammelt gewesen sein. Je und dannmögen fremde Gestalten, reckenhafte germanische Fürsten hier erschienen sein,um mit Drusus zu verhandeln. Sollte nicht auch der „Sugambrerkönig"Maelo, von dem Augustus in seinem Rechenschaftsbericht über seine gesamtelange Regierungstätigkeit berichtet, daß er bittflehend zu ihm geeilt sei, hierein oft gesehener Gast gewesen sein? Und dieser Bau hat die letztenLebensaugenblicke des Drusus geschaut! Hier wurden die Abschiedswortezwischen dem Gründer Alisos und seinem Bruder Tiberius gewechselt. Indiesem Prätorium ist später der heimtückische Plan zur Verpflanzungder Sugambrer geschmiedet worden, deren Zwingburg also Aliso wurde. Hierwar zeitweilig der Herz- und Mittelpunkt des römischen Kriegslebensin Germanien, in dem alle Fäden der Eroberungs- und Beherrschungspolitikzusammenliefen. Von hier ging die Staatspost mit wichtigen Depeschen undMeldungen weit hinaus in andere Teile des Weltreiches, wohl gar nach Rom.Auch war das Prätorium des Drususlagers durch die Bande geistigerGemeinschaft mit dem väterlichen Kaiserpalast in Rom verknüpft!
Da mag auch wohl manchem jungen Krieger das Herz in der Brustgepocht haben, wenn er dies „Prinzenlager" betrat. Nicht nur durch seineGröße erweckte es staunende Bewunderung, sondern auch durch die sorgfältigbehauenen Palisaden, die es auch vor Haltern auszeichnen. Auch Zier-stücke, Kapitäle, fehlten nicht, eine ganz besondere Bevorzugung, die nurdiesem Prinzenlager zuteil ward und die vielleicht ein Hinweis dafür sind,wie sehr die kunstgeübten Holzarbeiter geneigt waren, auch ihrerseits denjungen Feldherrn, den Liebling bei allen Heeresangehörigen, zu ehren.
Und nun die übrigen notwendigen Einzelheiten, die sich im Lager finden!Gleichlaufend mit der Süd- und Nordseite, ziehen elf Straßen von Westennach Osten, kenntlich an den kleinen Straßengräbchen, und zwar vier südlichund sieben nördlich der Hauptstraße, durchschnittlich in einem Abstand vonöl) irr voneinander. In derselben Weise laufen von Süden nach Norden23 Straßen parallel zur Ost- und Westseite. Durch diese Kreuzungen vonStraßen entstanden nun im ganzen rund 300 Rechtecke, durchschnittlichöO: 30 irr (oft bedeutend kleiner, oft größer): innerhalb dieser Abschnittebefanden sich die Unterkunftsräume, die Lagerhütten für die Besatzung. Anden Innenseiten des Lagers, 10 irr von der Umwallung, zog sich die Wall-straße oder vru suguluris Mantel st raße hin, so genannt, weil imZwischenraum die stets kampfbereite Truppe lagerte. Diese konnte inwärmeren Gegenden und wärmeren Jahreszeiten sich mit dem Soldaten-mantel begnügen, der sugurrr hieß. So war also wirklich unser Drususlagermit allen diesen Einrichtungen, wozu noch Speicher aller Art, Verwaltungs-räume wie die Quästur, Lazarette und vieles andere kam, ein wohl einzig-artiges Meisterwerk römischer Kriegskunst und Bautechnik. Was mag esfür ein Bild gewesen sein, wie die Helme, Lanzenspitzen, Schwerter undPanzer von so viel tausend Kriegern in der Sonne funkelten: wie mögen diegrellen Militärhörner durchs Land getönt haben. Weithin rötete sich derAbendhimmel vom flackernden Schein der Lagerfeuer.
Dazu der Verkehr um das Lager herum und das wilde ausgelassene
Prein, Aliso und die Varusschlacht 3