32 Aliso vor der Varusschlacht
erhob sich dann eine 5 rrr hohe Palisadenwehr, in Abständen von je 45 irrdurch Türme verstärkt. Was es bedeutete, gegen diese gewaltige Lagerwehranzustürmen, haben die unter Armins Führung 9 n. Chr. gegen das Vollwerkanrückenden Germanen erfahren, als sie von den mit Verzweiflung für ihrLeben, Lager und Vaterland kämpfenden Römern mit einem Hagel vonLanzen überschüttet wurden. Da auch festgestellt wurde, daß der nordwestlicheLagergraben schon mit Faschinen zugedeckt war, mag es auch auf dem Wallselbst zum Handgemenge gekommen sein, indem die Angreifer versuchenmochten, sogar die Palisadenwehr zu ersteigen. Richtete sich aber der Sturmgegen die Tore, so mußte auch hier nur zu oft der Sturmangriff zusammen-brechen, denn auch die Eingänge zum Lager waren wieder zu kleinenFestungen in sich, gleichsam „Torburgen", ausgebaut in ihrer Weite vonetwa 2V irr im Geviert, denn das ist der Umfang der ganzen Anlage: diedoppelte Pfostenstellung der drei Innenseiten mit den Türmen an den Ecken.So wurde der Feind, selbst wenn er die Torflügel eingestoßen hatte, vonallen Seiten mit Lanzen von den Zinnen der Tortürme überschüttet, derenWucht durch das Abwerfen nur verstärkt war. Gelang es aber den Belagerern,durch Feuerbrände die Plankenreihe der Brustwehr anzuzünden, so war auchdas löschende Wasser nicht fern, wie an der Nordwestseite zwei solche Bassinsdurch Ausgrabung ermittelt worden sind, rechteckige Vertiefungen von 12 : 8 irr.
Natürlich mußte ein so gewaltiges Lager, um nach allen Seiten hin dieBewegung der Truppen zu ermöglichen, mit einem bis ins einzelne aus-gebauten Straßennetz ausgestattet sein. Besonders hervorragend ist dievom Osttor (portu pniiu ipulis sirristra) zum Westtor (portu xiirrei-pulis äexlru) sich hinziehende 45 irr breite Hauptstraße (via piiircipulis).Aber auch diese stößt nicht unmittelbar auf die Tore selbst, sondern setzt 19 irrnördlich vom Osttor an, um unmittelbar südlich vom Westtor auszulaufen.Wäre also auch der Feind durch diese Tore eingedrungen, so hätte ihm dochnicht unmittelbar in der Richtung seines Vorstoßes eine Straße zur Ver-fügung gestanden. So wurde auch durch diese Verschiebung der Hauptstraßedem Feinde die sofortige Weiterführung seines Angriffes unmöglich gemachtund seine erste Stoßkraft wesentlich gehemmt.
Da nun aber auch das Prätorium unberührt von der 29 irr südlichdavon verlaufenden Hauptstraße, gleichsam einen Bezirk für sich, fast mittenim Lager (275 irr von der Südseite, 329 irr von der Nordseite, 379 irr von derWestseite und 389 irr von der Ostseite) bildete, so teilte die Hauptstraße nichtetwa das Lager in zwei gleiche Hälften; vielmehr ist der Abstand dieser Straßevon der Südgrenze des Lagers 259 irr, während der nördliche Teil, welcherdemnach auch das Prätorium enthält, an seiner ausgedehntesten Stelle von derHauptstraße zum Nordtor 499 irr Ausdehnung hat. Wie gebieterisch undseinem Namen Ehre machend mag dies Prätorium, das sog. „Haupt-quartier" von der höchsten Lagerstelle (72,5) aus ins Land hinaus geschauthaben! Es ist ein viereckiger Bau gewesen von 68 : 69 irr, errichtet auf einerGrundlage von kreuzweise gefügten Balken, die also wie ein mächtiger Pfahl-rost auf dem Boden dem ganzen Bau die rechte, feste Standfläche boten.Wenn doch von diesem Hauptquartier noch mehr übriggeblieben wäre als diebreiten, schwarzen Linien, die nach ihrer Aufdeckung durch den Spaten alsReste jener Grundbalken sichtbar wurden! Was für Entschließungen und