Das Drususlager in der sugambrischen Bauerschaft Aliso — Elfe 31
platz erforderlich; oft genug mochte die Lippe in trockenen Jahreszeiten nichtbis Aliso schiffbar sein, und der letzte Teil des Weges auf dem rechten Lippe-ufer zu Lande zurückgelegt werden müssen.
Die Furt bei Beckinghausen erwies sich dann als trefflicher Verbindungs-weg zwischen beiden Ufern. Das Städtische Museum in Hamm besitzt zahl-reiche Funde auch aus fränkischer Zeit von dieser Stelle, die uns zeigen, wielange noch die historische Linie im Dienste der Eroberungs- und Beherr-schuugspolitik wirksam geblieben ist. Im folgenden Kapitel wollen wir nundie gewaltige Gründung des Drusus aus dem Jahre 11 im Lippe-Seseke-Winkel näher betrachten.
V. Das Drususlager in der sugambrischen Vauerschast
Aliso ^ Else
Noch nie war in Germanien in so kurzer Zeit mit einem Platze einesolche Veränderung und zwar im Laufe weniger Monate vor sich gegangenwie im Herbste des Jahres 11 v. Chr. mit dem Hügel in der sugambrischenBauerschaft Aliso.
Als die mit dem Abstecken des Lagerumfanges beauftragten römischenOffiziere die Maße auf dem Boden festlegten, die für eine Besatzung vonzwei Legionen, also 12 000 Soldaten, erforderlich waren, mögen sie vonschweren Bedenken wegen der Unterbringung befallen worden sein. Nur für2S Iru Bodenfläche nach heutigem Maße fanden sie einigermaßen trockenenBoden, soweit von einem solchen im Lippe-Seseke-Winkel überhaupt gesprochenwerden konnte. Aber die überzähligen 16 Uu lagen am westlichen und süd-lichen Abhang des Hügels so tief, daß nur die unerbittliche Notwendigkeit, dieungeheure Truppenmasse hier unterbringen zu müssen, die Lagererbauer vorder Belegung auch dieses Niederungsgeländes nicht zurückschrecken ließ.
Nachdem der Umriß des Lagers festgelegt war, wurden die Eckpunktemiteinander verbunden; so stellte sich die Figur eines Achtecks heraus, dessenganzer Umfang 2745 in betrug, so daß zur Umschreitung desselben eine halbeStunde erforderlich war. Im einzelnen verteilen sich diese Maße mit 300 irrauf die West-, 320 rrr die Nordwest-, 380 in die Nord-, 225 in die Nordost-,560 in die Ost-, 750 in die Süd- und 210 in die Südwestseite. Wir habenalso mit diesem Lager von 41 Inr Flächeninhalt, in dem das bekannte Saal-burgkastell (314 Iru) bequem zwölfmal Unterkunft finden könnte und das demgrößten Cäsarlager an der Aisne genau entspricht, eins der größten Römer-lager der Welt vor uns. Nun gab es ein Schaufeln von vielen tausend Händen,und sicher haben auch die Pumpen nicht gefehlt, ohne die auch die Aus-grabungen an tiefer gelegenen Stellen nichts ausrichten konnten. So wurdeder 5 in breite und 254 in tiefe Spitzgraben ausgeworfen, eine rechte„Menschenfalle", wie man ihn in unsern Tagen genannt hat und wie er auchvon den Römern gedacht war; die Feinde sollten, selbst wenn sie in ihnhineingesprungen waren, keine Standfläche finden.
Dann wurde die Erde mit Freilassung eines am Grabenrande sich entlangziehenden Streifens, der sog. „Verme" zum Wall aufgetürmt, der eineSohlenbreite von 9 rw und eine Höhe von 3 in erhielt. Auf diesem Wall