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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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Die Drususzüge 11 und 10 v, Chr. 2l>

Norden das Meer, im Osten die Elbe und im Süden die Donau. ImJahre 11 v. Chr. sollte mindestens die Weser erreicht werden; und es magauch eine dort zu errichtende Festung im Plan gestanden haben.

War doch auch der vorjährige Kriegszug 12 v. Chr., der durch denDrususkanal vom Unterrhein aus in die Nordsee gegangen war, nureine Vorbereitung für den Zug des Jahres 11 gewesen. Damals wurde aufder Insel Byrchanis (Bork um) vor der Emsmündung ein Kriegs-Hafen eingerichtet. Die Flotte fuhr die Ems herauf, auf der es zum Treffenmit den Brukterern kam. Sicher sollte dieser Fluß auf seine Schiffbarkeituntersucht und festgestellt werden, an welcher möglichst tief im Lande liegendenStelle ein Schiffsanlege- und Stapelplatz errichtet werden könnte. Gleich-zeitig wurde aber auch die Verbindung mit der Lippelinie im Auge behalten.Von einem Punkte der Mittel-Ems, etwa von dort aus, wo die Ems ihrenmit der Ober-Lippe im allgemeinen parallelen Lauf bogenartig nach Nordenumbiegt, also der Warendorfer Gegend aus, konnte die Lippe von Nordennach Süden in der Gegend von Lippstadt, gleicherweise durch eine nach Süd-westen geneigte Linie das nördlichste Knie dieses Flusses bei Haltern erreichtwerden. Zugleich war damit eine Verbindung zweier Fluß-systeme gegeben, der Ems und der Lippe. Es ist sicher kein Zufall, daßdemgemäß auch beim Geographen Ptolemäus das 2. Klima (Zone) nördlichder Lippe von der 3. Zone südlich der Lippe unterschieden wird. Schon aufjenem Zuge des Jahres 12 v. Chr., der mehr Aufklärungszwecken gedient zuhaben scheint, wird auch in dem Feldherrn der Plan gereift sein, den er imJahre 1v auch ausgeführt hat, eine Straße zu schaffen und mit Flußkastellenzu besetzen, die von der Maas über die Ems und Weser zur Elbe ging, ander wir auch die von Ptolemäus uns genannten Stationsorte noch erkennenwerden, unter ihnen Stereontion (Haltern), Amisia (Emskastell), Munition(Minden), Tulifurdon (Werden a. d. Döhle-Aller). Zugleich aber wird Drususeine Verbindung auch vom Emsknie aus mit der Gegend bei Knebling -Hausen in Erwägung gezogen haben.

Das alles müssen wir annehmen, weil wir sonst den verwegenen Zugvon 11 v. Chr. bis in die Wesergegend nicht verstehen können, der ohneZufuhr von Norden her die Ems herauf nicht zu denken ist, zumal im Südendie gegen die Chatten gezogenen Sugambrer jegliche Zufuhr unmöglichmachten. Dennoch versagte wohl auch von Norden her die Zuführung vonLebensmitteln, weshalb der kühneMarschall Vorwärts" sich zur Umkehrgenötigt sah. Er scheint zumFreundesland" der Ubier seinen Weg genommenzu haben, offenbar in der Annahme, daß die verfeindeten Sugambrer undChatten, welche die Römer aneinander gebracht hatten, sich selbst im Bruder-kampf zerreiben würden.

Aber da ließ die größere Gefahr des römischen Einbruchs in ihre Gaueund der drohenden Versklavung sie wieder zur Vernunft und zum gemein-samen Handeln gegen den Volksfeind kommen. Von den Cheruskern imRücken, von den Sugambrern und Chatten von Süden angegriffen, im Tal-kessel des nördlichen Sauerlandes bei Arbalo eingekreist und angefallen,war er dem Untergang nah; so gibt Drusus, wie später Varus, nur mitbesserem Erfolg, seinen Marsch zum Rhein auf und schwenkt nach Nordenzur Lippe ab, wo er im Lippe-Seseke-Winkel seine Festung erbaut.