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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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28 Aliso vor der Varusschlacht

waren, wie nun wo die Zeichen auf Sturm standen auf diesen Ufer-straßen die angreifenden Sugambrer im Norden, die Chatten gleicher-weise im Süden vorbrachen. Wir wissen heute auch, daß Vetera gar nicht alsDaueranlage gedacht war. Wie die Ausgrabungen ergeben haben, ist dasLager nach dem Ausrücken der Truppen stets dem Verfall überlassen undbei der Rückkehr für den Winter wieder neu hergerichtet worden. Diese Fest-stellung bestätigt auch die Angabe des Tacitus bei seinem Bericht über dieEinnahme des Lagers im Bataverkrieg, wo er uns sagt, daß Augustus garnicht daran gedacht habe, daß jemals das Lager selbst angegriffen werdenkönne. Ihm war es nur darum zu tun, hier eine Ausfallpforte zu haben.Wenn demgegenüber das Drususlager Aliso bei Oberaden von vornhereinmit solchem Aufwand eingerichtet wurde, so ist sicher hier die Errichtung desHauptquartiers geplant gewesen: von dieser Stelle aus sollten also dieTruppen weiter nach Osten ziehe», hier sollten sie überwintern, wie sie esauch wirklich im Anfang getan haben. Hier sehen wir klar, was die Römerin und mit Aliso wollten: man hat es darum in unseren Tagen mit RechtdasP r i n z e n l a g er" genannt.

Nun erst wissen wir auch, warum die beiden Lager, Aliso im Lippe-Seseke-Winkel und die Chattenfestung am Rhein selbst, in Vergleich gesetztwerden. Es wird uns auch klar, warum Aliso so viel tiefer im Land liegtals die Chattenfestung. Das rührt daher, weil der Rhein von Mainz auseine Wendung nach Westen und darauf nach Nordwesten macht. Sollteungefähr die südliche Festung mit der nördlichen auf einer vom Main zurLippe gezogenen Süd-Nord-Linie liegen, dann mußte der Abstand der Chatten-festung vom Rhein so viel geringer sein oder unmittelbar am rechten Rhein-ufer, Mainz gegenüber, errichtet werden. So passen denn die beidenGründungen des Jahres 11 v. Chr. trefflich in den unserkennbar gewordenen strategischen Plan. Wenn wir dieseLinien weiter verlängern: die Lippelinie Seseke aufwärts zur Haar undweiter zum Sintfeld, die Mainlinie weiter bis Höchst und dann durchdie Wetterau nordöstlich weiter ebenfalls zum Sintfeld, so haben wir einstrategisches Dreieck mit dem Rhein von Mainz bis Vetera(Tanten) als Basis.

Wie wichtig auch diese dem Drusus war, zeigt uns das folgende Jahr,in dem wir ihn mit der Anlage von Sperrforts am Rhein beschäftigt sehen,damit nicht jetzt, wo im Norden und Süden starke Festungen jeden Einbruchunmöglich machten, der Strom an anderen Stellen überschritten werde: dennseine Breite war keine Gewähr dafür, daß dies nicht geschah.

So erfolgreich nun auch dieser Kriegszug des Jahres 11 v. Chr. gewesenwar, so war das eigentliche Ziel doch noch weiter gesteckt gewesen. Solltenach Ansicht des römischen Kriegsministeriums das Reich volle Ruhe nachOsten hin haben, so war noch nicht einmal die Weserlinie ausreichend:erst an der Elbe sollten die Grenzkastelle errichtet werden, und diese Linieweiter nach Süden bis zurDonau gehen. Dann wäre wirklich das römischeKriegssystem, das mit dem Ausdruck:nach Art der Zange" (torci-pis specie) bezeichnet wurde, bis zu Ende durchgeführt.

So stand also ein gewaltiges Viereck für die römische Eroberungs-politik im Plan mit folgenden vier Seiten: im Westen der Rhein, im