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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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Die Drususzüge 11 und 10 v, Chr. 27

decken, auf die Suche nach der Lage der Drususfestung geführt habe, sokönnten wir doch erst von Aliso aus erkennen, was die Römer in Deutsch-land gewollt und erreicht hatten.

Dies Wort erscheint uns heute, wo wir einen so viel längeren Zeitraumfür die römischen Anlagen im Lippe-Seseke- und Seseke-Körne-Winkel an-nehmen, besonders bedeutungsvoll. Aber was wollten denn die Römer mitihrer Gründung im Lippe-Seseke-Winkel? Waren es nur Machtgelüste,die sie in diese Gegend führten? Doch die Rückschau auf ihre großen Kriegeüberhaupt wird uns eines andern belehren.

Die gegen das römische Reich heranbrausende Sturmflut der Cimbernund Teutonen hatte den Römern die Augen geöffnet für die Gefahr, dieihnen vom Norden drohte. Die germanische Welt mit dem gewaltigen Ge-burtenüberschuß werde so sagten sich die römischen Staatslenker überkurz oder lang doch Rom überrennen, wenn es nicht gelänge, die Durchgangs-tore zum Reich fest zu verriegeln. Dazu kam aber noch die hochgespannteErregung, die besonders auf dem rechten Ufer des Niederrheins bei demführenden Stamme der Sugambrer eingetreten war, als die ihnenstammverwandten Usipeter und Tenkterer in der Gegend des heutigen Maas-tricht von Cäsar unter Wortbruch und mit Mitteln äußerster Grausamkeitniedergemacht wurden. Cato hat damals, als der wortbrüchige Würger nochdie Stirn besaß, ein Dankfest für denSieg" zu beanspruchen, allen Ernstesden Gegenantrag gestellt, Cäsar den Germanen auszuliefern, damit der unge-sühnte Zorn der Gottheit nicht mit ungeschwächter Wucht das ganze Volk träfe.

Wenn das die Stimmung bei den Römern selbst war, wie erst werdendie Germanen den Mördern Rache geschworen haben! Nun waren dieUsipeter und Tenkterer, soweit sie nicht dem furchtbaren Blutbad zum Opfergefallen waren, zu den Sugambrern geflüchtet, bei denen sie, in den westlichenStrichen des Landes, freundliche Aufnahme gefunden haben. Als Cäsar zwei-mal den Rhein überschritt und den Sugambrern die römischen Machtmittelzeigte, wollte er wohl, besonders auch durch den Bau seiner Rheinbrückendie Sugambrer abschrecken, ihrerseits den Rhein zu überschreiten. Aber dasalles machte auf sie keinen Eindruck, vielmehr fielen sie im Jahre 16 v. Chr.in das linksrheinische Römergebiet ein und brachten dem Legaten Lolliuseine schwere und schimpfliche Niederlage bei, indem sie ihm sogar den Adlerder 3. Legion entrissen.

Dieser Handstreich einer germanischen Abteilung ließwiederum dem Kaiser die Augen über den Ernst der Lage aufgehen. Nunstand es fest, daß auch am Niederrhein die alte Einbruchspforte gegenüberder Lippemündung verschlossen werden müßte. Aus diesem Grunde kam erwohl selbst an den Rhein, wo unter seinen Augen das Lager auf demFürstenberg, Vetera, errichtet wurde, gleicherweise wie bei Mainz (iVlogoir-liucum) gegenüber der Mainmündung ein Lager erstand.

Es ist also die Ausführung eines vom Kaiser Augustus selbst entworfenenPlanes, wenn alsbald die Lippe und der Main, dieser allerdings nur inseinem letzten Unterlauf, als die strategischen Linien bezeichnet und für rechts-rheinische Festungen in Aussicht genommen wurden. Es waren sicher keineunbekannten Gebiete mehr, in die diese Linien wiesen. Auf ihnen waren dierömischen Kaufleute ins Land gezogen, solange friedlichere Zeiten gewesen