26 Aliso vor der Varusschlacht
gemeinheit wohl schon im Lippegebiet als Grundsatz. Wir müssen doch auchbedenken, wie verunreinigt der Boden auf der Burg in Elfe war. Welch einDurcheinander von Balken und Haustrümmern, Wallpfosten und Bruchstückenjeglicher Art! So mochte in der Tat zunächst kaum eine fruchtbringendeAckerbestellung möglich sein. Und nun war doch die Burg nicht bloß einehistorische Stätte, wie sie uns es ist, sondern ein Ort des Schreckensund der blutigsten Greuel. Sicher werden die Zeitgenossen jener grausigenEreignisse auch bei dem Namen „Schlangenhecke" ganz unheimliche Empfin-dungen verspürt haben. Und heute noch will das Volk in jenen historischenGegenden mit dem Worte „Hünen", das es in engen Zusammenhang mitden Römerstraßen bringt, auf das Heidentum jener gewalttätigen Gesellendeuten. So wissen wir nicht einmal, ob die nachfolgenden Geschlechter imLaufe der ersten Jahrhunderte überhaupt die „Burg" wieder betreten haben,wenn ihnen diese Ruine so unheimlich war! erzählt uns doch sogar derSchriftsteller Ammianus Marcellinus, die Germanen hätten überhaupt eineigenartiges Grauen vor Burgruinen empfunden und sie gemieden „wienetzumstellte Fallgruben". Dabei mag ihnen, den freien Söhnen der Natur,überhaupt eine Burg mit Wällen und Gräben erschienen sein wie ein Ge-fängnis, das ihnen den Atem benahm. Da nun hier eine Burg war, diedurchaus den Eindruck einer großen, nun in Trümmern liegenden Stadtmachte, die man dem Heidenkönig zuschrieb, so war's des Grauens über-genug! es wird lange Gewöhnung erforderlich gewesen sein, um diesen Bodenwenigstens in G e m e i n d e benutzung zu nehmen. Hinzu kam auch noch,daß die Bauerschaft Elfe selbst aus ihrer vorrömischen Zeit eine Markbesaß, die ihr als Gemeindenutzland diente.
Dabei gilt es aber schon jetzt zu bedenken, daß Tiberius die Einwohnerdieser Gegenden vertrieben hat, weshalb wir Neusiedler annehmen müssen,die aber die dargelegten allgemeinen Anschauungen geteilt haben werden. Wienun auch sich im einzelnen die Siedlungsprobleme, die sich mit der historischenStätte der „Burg" verknüpfen, lösen mögen, soviel ist sicher: das vorge-schichtliche, also auch vorrömische Gebiet der Bauerschaft Else-Alisoist heute noch deutlich zu erkennen. Wie ein Fremdkörper lagin der Landschaft wie auch in der Flur karte die Fläche des ehe-maligen Römerlagers. Die vier alten Elseyer Höfe aber, Schulze Elsey,Elsermann (beide im Süden), Schulze Beckinghausen (im Westen), Ashüpper(im Nordosten) legten sich in weitem Bogen um die „Burg", so daß nur ander Ostseite kein Hof lag. Aber eben da grenzte auch das Lager an den Kuh-bach, der Elfe von Aden (Oberaden) schied.
Nunmehr wenden wir uns der Geschichte zu, die mit diesem Platze ver-knüpft ist.
IV. Die Drususzüge 11 und 10 v. Chr.
Ein bedeutender Römerforscher hat den Ausspruch getan, Aliso sei unsfast zum Ausgangspunkt für die Rekonstruktion der gesamten Ge-schichte der Römerkriege geworden. Wenn es auch feststehe, daß die engeVerbindung, in der diese Festung mit der Varuskatastrophe erscheint und dieAussicht, von Aliso aus auch das Schlachtfeld vom Jahre 9 n. Chr. zu ent-