24 Aliso vor der Varusschlacht
zunächst fest, bis ich eines Besseren belehrt wurde. Es kam aber nocheins hinzu.
Nach dem Sprachgebrauch der Gegenwart wurde die Flurbezeichnung„Burg" nicht mehr gebraucht für das Gelände, das zwischen der „Schlangen-hecke" und dem Wege liegt, der von der Landstraße Kamen—Lünen aus innördlicher Richtung dem heutigen Elsey gegenüber den Burghügel überquert.Ebenso rechnete die Volksmeinung im allgemeinen den Teil nicht mehr zur„Burg", der in einem Abstand von rund 299 irr nördlich der genannten Land-straße liegt. Hier hat sich nun bei den Ausgrabungen herausgestellt, daß diesüdlichste Spitze des Lagers sogar über die Landstraße Kamen—Lünen hinausauf das Gebiet der heutigen Bauerschaft Elsey übergegriffen hat, eine Tat-sache, an die auch die fachmännische Grabung zunächst nicht dachte.
Nachdem aber endlich nach drei Grabungsperioden (1996—1908) derganze riesenhafte Umfang des Römerlagers festgestellt war, stand ich vor dernicht einfachen Frage, wie sich der Unterschied zwischen der mit „Burg"bezeichneten, 25 Uu umschließenden Fläche und dem Gesamtlager mit 41 Uuerkläre. Wie waren die überschießenden 16 Un unterzubringen? Auch dieAnnahme, daß der Raum von 25 Uu der älteste Teil des Lagers sei, demspäter eine entsprechende Vergrößerung zuteil geworden sei, fand bei denAusgrabungen keine Bestätigung, denn das Lager erwies sich durchaus alseine einheitliche Anlage.
Endlich löste sich das Rätsel, als ich noch einmal eine genaue Durchsichtaller meiner Aufzeichnungen vornahm. Da konnte ich nämlich feststellen, daßGutsbesitzer Welsmann, in dessen Familie Jahrzehnte hindurch das Gemeinde-vorsteheramt sich befunden hatte, mir die Mitteilung gemacht hatte: „DerName ,Burg' ging ursprünglich weite r." Es bezeugt sichdadurch wieder derselbe Vorgang, den ich auch sonst in Oberaden festzustellenGelegenheit hatte, nämlich, daß die ältesten Bewohner — und Herr Wels-mann war um 1994/95 der älteste dortige Bürger — besser unterrichtetwaren als etwa die 59- und 69jährigen. Am deutlichsten ließ sich das an demerkennen, was man über die schon erwähnten „Hünenpädde" sagte. Den Zugdieser alten Straßen kannten nur die Bejahrten, die in mittleren Lebens-jahren Stehenden sagten wohl: „Früher sprach man öfters davon, Genauereskann ich aber nicht sagen." Diese kannten doch wenigstens noch den Namen.Aber meinen Konfirmanden war auch der Name völlig unbekannt; wahrlicheine Bekräftigung der Mahnung an alle Volkskundler: es ist die elfte Stunde,darum rettet, was noch zu retten ist!
Nun erbrachte aber auch die Flurkarte eine Bestätigung der Mitteilungdes Herrn Welsmann über den ursprünglich größeren Umfang der „Burg".Denn die früher schon von uns dargelegten Merkmale der mit der Burgum-grenzung zusammenfallenden Scheidelinien zwischen Gemeindeeigentum undPrivateigentum treffen auch, und zwar hier oft in besonders auffallenderWeise, auf das Gebiet der 16 Uu zu.
Dabei bleibt auch sehr zu bemerken, daß der schon von uns genannte,299 in östlich des Westwalls „Schlangenhecke" und dieser parallel zur „Burg"emporführende Weg den Namen „Burg Hecke" hat und zwar schon inälteren Gemeindeakten. Diese Burghecke kann, was das Grundwort „Hecke"betrifft, nach dem für Oberaden geltenden Sprachgebrauch nichts anderes