Die Entdeckung des Römerlagers in Else 23
unserer Bitte entsprechend, einige Spatenstiche in die Erde tatund nach wenigen Minuten schon eine ganze Reihe vonScherben an die Oberfläche brachte, die in gar nicht beträchtlicherTiefe, immerhin aber doch so tief im Boden ruhten, daß der Pflug nur dieeine gefaßt hatte. Es war ein denkwürdiger Augenblick, der mir auchdadurch unvergeßlich bleibt, weil Herr Hartmann sofort sagte: „Ich will mirdie Ohren abreißen, wenn diese Scherben nicht römisch sind."
Am 5. September war von Hartmann allein, da ich dienstlich verhindertwar, an derselben Fundstelle weiter gegraben worden, wodurch sich der vor-handene Scherbenvorrat noch etwas vergrößerte. Am 7. September reistemein Freund wieder ab. Am 9. September unternahm ich dann in Gemein-schaft der Herren Vv. Westermann-Methler und Hauptlehrer BrinkmannOberaden auf der „Stöweschen Stelle" eine abermalige Grabung, die nuneinen noch reicheren Fund zutage brachte, nämlich neben Scherben vonAmphoren und Kochtöpfen vor allem auch zwei außerordentlich mächtigeAmphoren spitzen.
Die Tatsache, daß sich im Lager Scherben von so mächtigen Stand-gefäßen fanden, bestärkte mich nun auch von vornherein in der Ansicht, daßes sich unmöglich um ein Marschlager handeln könne, weil in einem solchenderartige große Vorratsgefäße nicht vorkommen. Handelte es sich also aufGrund dieser Amphorenreste sicher um ein Standlager, und war mit diesemder Name Else Aliso verknüpft, so wäre es ja geradezu Blindheitgewesen, den Namen zu unterdrücken, der ja der ganzen UntersuchungAnsporn und Grundlage gegeben hatte. Mit gutem Gewissen wählte ichdarum auch für meine Schrift den Titel: „Aliso bei Oberade n". Zumletzten Male gruben wir am 12. Sept. 1995, und zwar wieder mit Erfolgin Gegenwart meines Freundes und Kenners meiner Alisothese, GeheimratDr. Eickhoff-Hamm. Außerdem hatten wir aber noch an der Nordostecke desNordwalles gegraben, wo wir nach einigen Spatenstichen auf rotge-glühte Ziegelerde stießen, die wir nur mit Zerstörung der Kriegs-anlage glaubten in Verbindung bringen zu können.
Gern nahm ich Gelegenheit, den Umfang der „Burg", den ich nur auf25 Ua statt auf 41 Uu glaubte berechnen zu dürfen, Freunden und Bekanntenzu zeigen, auch ließ ich Postkarten herstellen mit den „Fundstücken ausAlis o", in der Hoffnung, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wachzurufenfür die historische Stätte, für die ich so oft mich vergeblich gemüht hatte,fachwissenschaftliches Interesse zum Zweck vertiefter Forschung zu gewinnen.Der Grund, daß ich das Römerlager auf 25 Uu statt auf 41 Ua berechnethatte, ist ein doppelter. Ich kannte die Maße anderer Römerlager und wußte,daß unter den von Delbrück in seiner „Geschichte der Kriegskunst" ange-gebenen Beispielen nur eins mit 41 Iru aufgeführt war, nämlich CäsarsLager an der Aisne; ich kannte auch die Maße der Halterner Lager, nämlichfür das große Lager 29 Iru und für für das Annabergkastell 714 Im, währenddie Saalburg nur einen Rauminhalt von 314 Ira umschließt. Nun hatteDelbrück für das Cäsar-Lager an der Aisne eine Höchstbesatzung vonL Legionen angegeben. Weil ich solche ungeheure Truppenmassen und dem-gemäß auch solche Riesenlager nicht glaubte hier annehmen zu können, hieltich auch an meiner oben dargelegten Auffassung über den Schlangenheckenwall