22 Aliso vor der Varusschlacht
Wir begannen unseren Rundgang in der Elseyer Mark, wo ich aufunsere früher beschriebenen Grabungen bei den sog. „Hünengräbern" hinwies:dann gingen wir in das Gehölz an der Westseite des Lagers, wo ich HerrnHartmann den vom Volke als „Schlangenhecke" ^ bezeichneten Westwall desLagers zeigte. Dabei muß ich jedoch die einschränkende Bemerkung machen,daß weder mein Freund noch ich damals in diesem etwa 159 irr langenWallrest einen unmittelbaren Bestandteil des Römerlagers selbst erkannte.Wir hielten ihn für eine vorgeschobene Deckung oder für eine Wegebefestigung,eine Auffassung, die mir besonderen Grund in dem Namen „lange Wand"zu haben schien, die in dem Zuge des Walles liegt, wohl aber, wie ich spätereinsah, nur eine andere Bezeichnung für den Wall ist, der tatsächlich derWestwall des Lagers war. Als solchen nahm ihn auch GeheimratI)r. Schuchhardt an, den ich im Dezember 1995 bei Gelegenheit seinesBesuches an die denkwürdigen Stätten führte. Wir gingen dann weiter zumNord wall des Lagers.
Auch dieser war mir außer dem Wall in der „Schlangenhecke" durchBefragen meiner Oberadener Gewährsmänner sehr wohl bekannt geworden.Es war besonders der diesem Teil der „Burg" nahewohnende Herr Hof-besitzer Afhüpper, der zu diesem Wall hin und dann auf ihm, mit mir weitervordringend, mein Führer wurde. Der ehrwürdige Herr, der Typus einesechten westfälischen Hofschulzen, der damals auch noch seinen von einemLederriemen umfaßten blauen Kittel und in der Faust einen sog. „Ochsen-ziemer" trug, wußte mir allerhand zu erzählen, auch über den Ursprung desmächtigen Walles selbst: er sei von einem Schweden, der „vom 39jährigenKriege hier hängen geblieben wäre", aufgeworfen worden. Jedenfalls aberhabe er als Knabe sich oft hinter dem Wall versteckt. Diese mächtige Erdauf-schüttung, die auch mir gleich als eine Deckung der „Burg" erschien,grenzte sich hier scharf gegenüber dem sog. „Vörenbusch" ab. Der Wallwar schon ziemlich in die Breite abgeschwemmt und in den Graben gerutscht,doch nicht so, daß nicht auch letzterer für ein einigermaßen geschultes Augenoch als Mulde erkennbar gewesen wäre. Alsbald mußten wir unsern Wegdurch Dorngestrüpp uns bahnen, bis wir an eine Waldwiese kamen, wo derWall auslief. Er war damals und ist auch heute noch in einer Länge vonrund 375 irr erhalten.
Auch mit meinem Freunde Hartmann nahm ich am 4. September 1995denselben Weg, nur diesmal von Westen nach Osten schreitend. An der Nord-ostspitze des Lagers angekommen, bogen wir über den sog. „Ispe ck" hinwegnach Süden um, indem wir der Ostseite der „Burg" folgten, von der keineSpuren mehr zu erkennen waren. Dann betraten wir den Espelweg,der in auffallender Breite die „Burg" durchzieht, wie später sich herausstellte,im allgemeinen dem Laufe der Hauptstraße des Lagers, der via princi-pulis, folgend.
Nun erst — es war inzwischen Spätnachmittag geworden — gelangtenwir zur Mergelkuhle, an deren nördlichen Rand sich der von uns schongenannte Stöwesche Acker anschloß. Ich hatte Herrn Hartmann die dortunlängst beim Pflügen gewonnene Amphorenscherbe gezeigt. Obgleiches nun schon allgemach dem Abend zuging, drängte doch Herr Hartmann aufeine Grabung hin. Wir suchten sofort Herrn Stöwe auf, der dann auch,
> Tafel 4: Schlangenhecke.