12 Aliso vor der Varusschlacht
hier nicht. Wie schon angedeutet, geht es uns auch gar nicht um den NamenOberaden, sondern um den Namen der Vauerschaft Elsey, das heutenoch im Volksmunde Elfe heißt, wie es auch, mit anderen Formen (z. B.Elze) wechselnd, im Mittelalter so gesprochen wurde. Aber was ist denn nuneigentlich dies Else? Wir sagen vom Standpunkt der Volkskunde aus: Elfeist heute noch der Name des südwestlichen Teiles der politischen GemeindeOberaden, der gegenwärtig nur noch zwei Bauernhöfe umfaßt, nachdem voreinigen Jahrzehnten der Hof Schulze-Elsey selbst erloschen ist.
Daß diese Bauerschaft ehedem räumlich ausgedehnter gewesen ist,,ja daß sie einen selbständigen Schultheißenbezirk gebildet hat, sagt uns ebender frühere Schulzenhof, der noch nach urkundlichen Zeugnissen des 18. Jahr-hunderts der „große Elsenhof" hieß. So begreifen wir leicht, daß dieserBezirk sogar in einer von dem östlicheren Oberaden unterschiedenen Weisedem Cappenberger Kloster zehntpflichtig war. Eine aus dem Jahre 1692stammende Urkunde redet daher auch von dem „Elserzehend".
Diese ehemals selbständige Bauerschaft Else war aber auch deutlichgenug durch den Kuhbach, der in südwestlichem Laufe zur Seseke geht, vonder Bauerschaft Aden abgegrenzt, in der sich ebenfalls, zur Bezeugung ihrerehemaligen Selbständigkeit, ein Schulzenhof, nämlich Schulze-Aden befindet.Dieses Aden, im Mittelalter Adene genannt, war und ist heute noch eineSiedlung, die durch ihren Namen cleire ^ Niederung sehr charakteristischbezeichnet ist. Wie tief die Gegend liegt, deutet auch ein alter, schon 1396auftretender Flurname: „Deyperot" ^ tiefgelegene Rodung an, mit demeine Gegend an der Adener Seseke-Mühle bezeichnet ist. Wer nun von Elsenach Aden gehen wollte, mußte den beide Bauerschaften (Schultheißenbezirke)scheidenden Bach, den schon genannten Kuhbach überschreiten, der mit demeinfachsten Namen für Gewässer (a) bezeichnet war. So heißt denn Ober-aden, in alten Formen Aweradene: Über wasserniederung. Nochvor einem Jahrhundert kannte die Volkssprache Oberaden einfach nur unterdem Namen Oen, ein Zeichen, daß die Beifügung Ober — Awer — Überjüngere Zutat ist.
Wie die Schulzenhöfe Else und Aden, so ist uns also auch dieVolkssprache Beweis dafür, daß Else und Aden (Oberaden) strengzu scheidende Ortsbenennungen sind.
Wenn nun heute in der Tat der Gesamtname Oberaden den BezirkElsey mitumschließt, so stehen wir eben vor der Tatsache einer schon vormehreren 19t) Iahren vorgenommenen Eingemeindung und Zusammen-legung. Man könnte fast versucht sein, von Groß-Oberaden zu reden, um dieErinnerung an die frühere Selbständigkeit Elses wach zu erhalten. Daß dieseEingemeindung aber, wenigstens für die staatlichen Behörden, schonim Jahre 1186 vollzogen war, geht aus dem in diesem Jahre verfaßtenmärkischen Steuerregister (Schatboik in Marke) hervor, das Evert Else unterOberaden (Aweradene) aufführt. Wenn nun aber, wie schon gesagt, der ElseyerSchulzenhof der „große Elsenhof" hieß, so wird in dem heutigen Umfangder kleinen Bauerschaft dieser Name keine Berechtigung finden. So entstehtschon aus dieser Erwägung die Frage: „Wo liegen denn die anderen Höfeder ursprünglichen Bauerschaft?" Das sagt uns wieder das Scheidewasserdes Kuhbachs, der also nicht nur in seinem Unterlauf, sondern auch'