lg Aliso vor der Varusschlacht
nachher gezeigt hätten, blickte er mit schwerer Sorge und Zweifel auf dieGottheit. Der Tempel des Mars nämlich auf dem Marsfelde war vomBlitze getroffen: viele Heuschrecken, die bis in die Stadt hineinflogen,waren von den Schwalben gefressen worden: man hatte gesehen, wiedie Gipfel der Alpen aneinanderstießen und drei Feuersäulen darausaufstiegen: an vielen Punkten schien der Himmel feurig. Kometenließen sich in Menge auf einmal sehen: man sah Speere vonNorden her auf das römische Lager los fliegen; Bienenlegten Wachsscheiben auf die Lageraltäre; eine Bildsäule der Viktoria,die in Germanien stand, das Angesicht dem Feinde zugewandt, drehte sichum, nach Italien hin. Einmal war es um die Adler im Lager auf ein leeresGerücht hin, als wären die Barbaren eingedrungen, zwischen den Soldatenzu Kampf und Handgemenge gekommen. So ging es damals zu.
Wir lassen diesem Bericht noch den des Reiterobersten und SchriftstellersVellejus Paterculus Kap. 120 folgen, der uns Aliso mit Namen nennt, alsBeispiel dafür, daß es nicht an tapferen Männern gefehlt hat, denen es zudanken ist, daß die Germanen nicht über den Rhein gingen. Er schreibt:Ein wohlverdientes Zeugnis möge für Lucius Asprenas abgelegtwerden. Als Legat unter Varus, seinem Oheim dienend, hat er durchtätiges, mannhaftes Verfahren das Heer von zwei Legionen, das er befehligte,unberührt von dem schweren Unglück bewahrt und, indem er frühzeitig zudem unteren Winterlager herunterrückte, die auch schon wankende Treue derdiesseits des Rheins seßhaften Stämme neu befestigt. Doch gab es Leute,die glaubten, wie er die Lebenden ja freilich gerettet habe, so habe er sicheiligst der Hinterlassenschaft der mit Varus Ermordeten bemächtigt und sei,soweit es an ihm lag, als Universalerbe des vernichteten Heeres aufgetreten.
Auch die Tapferkeit des Lagerpräfekten Lucius Cädicius und derer,welche mit ihm in Aliso von zahllosen Scharen Germanen eingeschlossen,die Belagerung aushielten, ist des Lobes wert. Mit Überwindung allerSchwierigkeiten, wie der unleidliche Mangel an allem und die unüberwind-liche Macht der Feinde sie erzeugte, blieben sie gleich fern von einem toll-kühnen Entschlüsse wie von tatenloser Vorsicht und bahnten sich, indem sieeine Gelegenheit abpaßten, mit dem Schwerte den Rückzug zu den Ihrigen.
Wir lassen nun eine Stelle folgen, die darum wichtig ist, weil wir ausihr erkennen, daß die belagerte Drususfestung Aliso kein Kastell, sondernGroßlager war, denn der Schriftsteller braucht dafür die Bezeichnung csskru.
Frontin us 4, 7, 8: Caelius, der Primipilar, der in Germaniennach der Niederlage des Varus unserm Belagerten als Führer vorstand, ließaus Furcht, die Barbaren könnten auf den Gedanken kommen, das auf-gestapelte Holz an den Wall heranzubringen, um das Lager anzuzünden,durch Soldaten Holz holen, um damit den Schein zu erwecken, als wenn sieMangel daran hätten. So erreichte er, daß die Germanen die gesamtenHolzvorräte fortschafften.
Endlich fügen wir noch die vielumstrittene Stelle aus den Annalen desTacitus Buch 2, Kap. 7 bei, der es zuzuschreiben ist, daß die hier zum erstenMale auftretende Bezeichnung Kastell Aliso auch auf die Drususfestung,die uns doch als Großlager bezeugt ist, ausgedehnt wurde.