Der gegenwärtige Stand der Alisofrage 7
stellen würde. Dabei komme es weniger auf die Größe des Lagers an, dieübrigens von dem ältesten Lager bei Haltern noch erheblich übertroffen werde,sondern auf die Stärke der Befestigung.
Diese zu erforschen, sei die nächste Pflicht dessen,der die durch die Entdeckung des Pfarrers Prein ge-stellte Aufgabe übernommen habe, und es sei zu hoffen,aber auch zu fordern, daß die Museumsverwaltungdiese Pflicht nicht dem Interesse der Sammlung nach-setze.
Die Bedeutung der Ausgrabungen von Haltern sei übrigens von demNamen, der auch von den verschiedenen an der Arbeit beteiligten Herren mitsehr verschiedener Zuversicht genannt worden sei, gänzlich unabhängig, undmit Recht sei gesagt worden, daß die hiesigen Funde nur um so merkwürdigersein würden, wenn dem Orte nicht der Name Aliso zukäme.
Man dürfe also füglich den Ergebnissen der Erforschung des Lagers vonOberaden auch hier zwar mit Spannung, aber ohne Neid entgegensehen."
Was mich nun veranlaßte, meiner vorliegenden Schrift einen weiteren,auf die Verknüpfung mit unserer westfälischen Nibelungensage und derfränkischen Trojasage deutenden Untertitel hinzuzufügen, so muß ich aufden Verlauf meiner Darstellung selbst und die betreffenden Kapitel verweisen.
Hier kann ich, um gleich den Verdacht einer nur losen Verkoppelungdieses Stoffes abzuwehren, nur betonen, daß es die örtlichen Sagen in undum Oberaden selbst waren, die mir einen Anklang an die westfälische Nibe-lungensage zu enthalten schienen. Bestärkt wurde ich in meiner Annahme,als ich erfuhr, daß die zuverlässigsten Handschriften dieser Sage, nämlich dieKopenhagener ^ und L, die Lippe mitNamen nennen unter Verhältnissen,die uns auch unser Lippekastell und dessen Umgebung wieder erkennen lassen.Von Anfang an von stärkstem Zweifel gegenüber der Behauptung: „Über dasLager bei Oberaden gebe es keine klassische Überlieferung" erfüllt, lag mirnunmehr auch daran, zu beweisen, daß auch unsere Heldensage, wie sie inWestfalen und am urkräftigsten auf dem Boden der historischen Stätten ge-blüht hat, nicht teilnahmlos an der klassischen Periode derselben vorüber-gegangen ist, ja, nicht an ihnen vorübergehen konnte.
Seit den Anfängen meiner Alisoforschung auch mit Untersuchungen überdie Virkenbaumsage und ihren zuerst von Hülsenbeck angenommenenZusammenhang mit der Volksllberlieferung über die Varusschlacht beschäftigt,nahm ich diesmal auch die Darstellung des großen Dramas von 9 n. Chr.in niein Werk mit auf. Daß ich es in meiner Erstlingsschrift vor nun geradeeinem Vierteljahrhundert nicht mit in den Kreis meiner Untersuchungen ein-bezog, hat neben anderen Umständen auch seinen Grund darin, daß ichHerbst 19VZ glaubte, mich beeilen zu müssen, „meine Forschungen und Ver-mutungen" über „Aliso bei Oberaden" (Verl. d. Aschendorffschen Verlags-buchhandlung Münster) der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Wir geben nun zunächst eine Zusammenstellung aller, auch der nach-varianischen Quellen, deren Kenntnis erforderlich ist, um sich ein Bild vonAliso zu machen, wie es uns an den entscheidenden Stellen, rechten Höhe-oder Wendepunkten der römisch-germanischen Politik, begegnet.