6 Einleitung
Welche andere Gegend kann denn nun noch den Anspruch erheben, einhöheres Anrecht auf den großen Namen zu haben? Und was für Unterlagenmüßten dazu beigebracht werden? Jedenfalls zunächst alles, was wir in Elfebei Oberaden haben. Aber ist es denn möglich, daß Drusus noch eine bedeuten-dere Festung 11 v. Chr. gegründet hat und zwar eine noch ältere? Das istausgeschlossen, weil die Drususfestung im Lippe-Seseke-Winkel als dieälteste Römerfestung auf dem rechten Rheinufer erwiesen ist, und Alisowar ja die früheste Gründung. Darum kann auch Elsen bei Paderborn,wo um des Namens willen seit den Tagen des Detmolder Arztes undGeschichtsforschers Cluverius, also seit rund 300 Iahren, Aliso gesucht wordenist, nicht das römische Aliso sein, soviel tüchtige Gelehrte, wie der Bischofvon Fürstenberg und dann später Giefers, sich auch dafür einsetzten, und auchheute Römerforscher noch diese Annahme vertreten. Selbst wenn es gelänge,am obersten Lippelauf eine Römerfestung ans Licht zu bringen, kann diesenicht Aliso sein. Wohl hat es noch andere Stätten gegeben, an die der NameAliso herangebracht worden ist, aber es fehlen die Unterlagen.
Und so bleibt es bei dem, was wiederum Prof. Koepp am 29. Sep-tember 1905 sagte. Da diese von einem großen Teil der Tagespresse damalsbekanntgegebene Äußerung, aus der wir schon einen Satz mitteilten, die Um-stände, unter denen meine Entdeckung des Römerlagers in Elfe vor sich gingund auch die von mir nicht geahnte plötzliche Anpachtung des Geländesdurch das Dortmunder Städtische Museum treffend wiedergibt,so sei die ganze Notiz hier wörtlich abgedruckt.
Haltern, den 29. September 1903.
„Bei Gelegenheit einer vom hiesigen Altertumsverein veranstalteten ge-meinsamen Besichtigung der diesjährigen Ausgrabungen, woran sich etwa40—5V Personen beteiligten, nahm der Führer der Gesellschaft, Prof. 1)r.Koepp, der auch zugleich Leiter der Ausgrabungen ist, Veranlassung, auf denjüngst von neuem entbrannten Streit um das Kastell Aliso einzugehen, dasnach Zeitungsnachrichten jetzt in Oberaden bei Lünen durch den PfarrerPrein entdeckt sein soll.
Es scheine allerdings auf der ,Burg' bei Ob eraden ein römischesLager von ansehnlicher Größe (schätzungsweise 25 Ira) entdeckt zu sein,bezeugt durch einen Rest des Walles und unzweifelhaft römische Scherben, die,nach einem vereinzelten Funde früherer Zeit, eine kleine von Pfarrer Preingemeinsam mit Oberlehrer Hartmann-Rüthen vorgenommene Versuchsgrabungzutage gefördert habe, und an diese Fundstätte sei nun nach archi-valischen Forschungen des Pfarrers Prein der NameElfe geknüpft.
Zum ersten Male also könne hier eine auf den Namensklang sichberufende Hypothese sich auf höchst beachtenswerte Funde stützen,und durch die Berufung auf den Namensklang würde dasLager von Oberaden zweifellos vor dem Römerplatz beiHaltern einen Vorsprung gewinnen. Es sei indessen abzu-warten, ob die Untersuchung, die, wie man höre, das Museum in Dort-mund in nächster Zeit beabsichtige, eine den Anlagen von Haltern vergleich-bare römische Befestigung oder etwa nur ein Marschlager, wie es deren selbst-verständlich an der mittleren oder oberen Lippe gegeben haben müsse, heraus-