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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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4 Einleitung

Und wiederum kam die Gegenseite mit der Behauptung, der aber auch wiederabschwächende Gegengründe entgegengehalten wurden:Die Gefäßscherbenstammen alle aus der Kulturschicht der vorrömischen, germanischen Siedlung."

So kam die Frage nicht recht zum Abschluß, und es mußte den Römer-forschern überlassen bleiben, sich so oder so mit den Tatsachen abzufinden, alsoentweder die Belagerungsspuren im Gegensatz zu den klassischen Quellendennoch in vorvarianischer Zeit anzusetzen, oder einen unversehrten Bestanddes Drususlagers von 11 o. Chr.9 n. Chr. anzunehmen, bei dem dasRätsel der Scherben und Münzen, weil noch ungeklärt, zunächst ruhen müsse,sei es nun, daß dennoch ein Teil der unrömischen Scherben von späterenHilfstruppen stammte oder sei es, daß aus den stark gefüllten Vorrats-häusern eine herabgeminderte Besatzung auf Jahre hinaus sich mit Geschirrversah, so daß also herstellungs- und Gebrauchszeit der betreffenden Ton-gefäße zeitlich weit auseinander liegen können.

Diese Erklärung erschien vielen Forschern um so annehmbarer, als auchin Haltern Scherben aus der Frühzeit des Platzes als gebrauchsfähig nochfür 9 n. Chr. gelten müssen, weil sie aus einer Anlage stammen, die nach-weislich nur diese Keramik erbrachte, die bis dahin im Gebrauch war undauch nur durch die Vrandkatastrophe 9 n. Chr. in den Boden kommen konnte.

Aber auch die Münzen sollen gegen Aliso bei Oberaden zeugen, vorallem auch, weil die in Haltern sich so häufig findenden Lyoner Altarmünzenmit dem Prägjahr 12 v. Chr. fehlen.

Dagegen jedoch erhob sich der Befund im Römerlager vonKneblinghausen, in dessen Boden sich weder eine einzige Römer-scherbe, noch auch eine einzige Münze fand: ein Beweis für den Kultur-unterschied am Rhein und den tiefer im Lande liegenden Gegenden, wo nochkein Geldverkehr war, sondern nur Tauschhandel herrschte. Darum aucherhoben sich bei den Römerforschern, soweit sie meiner These zustimmten,überhaupt Bedenken, ob Haltern, das dem Rhein so viel näher läge alsOberaden, schlechthin zum Maßstab für die Drususfestung zu machen sei.Münzkenner sprachen der Altarmünze die Kaufkraft für den Lippe-Seseke-Winkel ab und stellten die Nemaususmünze an deren Stelle, wie uns ja auchTacitus sagt, daß die Germanen die alten Prägungen vorzogen, so weitsie überhaupt Geld angenommen hätten.

So blieben also doch noch die Mauerspeere unumstößlicheZeugen für den Bestand des Lagers im Jahre 9 n. Chr. und die Be-lagerung.

Inzwischen aber hatte auch H. Delbrück, der Verfasser des großen WerkesGeschichte der Kriegskunst", 1911 zum Oberadener Alisostreit Stellung ge-nommen und mit allem Nachdruck betont, daß ein Riesenlager von 41 knnimmermehr mit dem Namen Crwkellririr Kleinlager bezeichnet werdenkönne. Das sei dem römischen Sprachgebrauch ebenso zuwider, wie wennman heute Kanone und Pistole gleichsetzen würde. Aber so zutreffend dasWort Delbrücks ist, so sicher ist auch, daß die römischen Schriftsteller auf demBoden der Militärstation Aliso mehrere Einzellager gekannt haben,indem ihnen, wie unsere späteren Ausführungen deutlich machen werden,das 9 n. Chr. belagerte Lager als Großlager (cnskru), der unter Germanicus16 n. Chr. genannte Limes köpf aber als cnstellnirr (Kleinlager) galt.