Druckschrift 
Zweyter Theil (1788)
Entstehung
Seite
207
Einzelbild herunterladen
 

Von der atmosphärischen Lust. 207

davon getrennt werden, und alsdann allein Wirkungenhervorbringen können, welche diese Substanzen selbst,nur weil sie jene Bestandtheile besitzen, hervorbringen.Z.B. Branntewein entzündet sich, und brennt indemer ein Residuum zurückläßt; Weingeist, cinBcstand-theil der.ersten Flüssigkeit, verbrennt gänzlich; derselbeBestandtheil mit einer gehörigen Menge vom Residuumdes Branntweins vermischt, giebt eine Flüssigkeit, diewie der letzte brennt, und einen Rückstand, der merk-lich von einerley Natur wie bey diesem ist, übrig läßt.Kann man deswegen sagen, daß diese letzte Flüssigkeitwahrer Branntewein sey? Mich dünkt, dies wäreohne Grund. Denn alles, was wir bey diesen Phäno-menen als gewiß sehen, ist, daß man eine Mischunggemacht habe, die wie Branntewein brennt, und ei-nige ihm analoge Funktionen verrichten kann; dies istaber noch weit von einer völligen Homogencität entfernt.Ich habe dies Beyspiel, als das einfachste was mir bcy-sicl, gebraucht; man brauchte aber nur die Operationender Chemie durchzugehen, um eine große Anzahl andrerzu finden. Eine Hypothese nun, welche wirklichen Fäl-len analog ist, kann wegen Anscheins von Verwicklungnicht verworfen werden. Denn wir wissen nicht, wasin der Natur wirklich einfach ist: weil die Einfachheitdarin» besteht, Wirkungen durch die möglichst direktenMittel hervorzubringen, und das absolut Mögliche unsverhüllt bleibt. Wir haben also, um über verschiedeneThcorieen über denselben Gegenstand zu entscheiden, keineandreFührer als die Phänomene: man muß aber Sorgetragen, sie alle zu sammlcn; und daher will ich zu de-nen, welche die beyden obigen Theoricen auf gleiche Artumfassen können, einige meteorologische Phänomene hin-zusetzen, die nicht für beyde gleich günstig zu seynscheinen.

§-724.