Von den Gewittern. 115
Schichte von einerley Temperatur, weder auf einandernoch auf die vorhandenen Bläschen anders Einfluß ha-ben können, als auf dieselbe Weise, wie sie sich gebildethaben, zuzunehmen. Ob ich gleich aber aus diesen Grün-den nicht glaube, daß der Hagel durch ein Eckalten, wel-ches das ganze Gewölk umfasse, hervorgebracht sey; soglaube ich dennoch, daß ein Schneeflocken sein Embryoist. Der schneeigte Kern jedes Hagelkorns zeigt alleindiesen l' .prung an; ich könnte auch auf keine andreWeise die Bildung einer Masse von solidem Eise mittenin den Wolken begreifen. Wir haben zwar das Glatt-eis sich hier bilden sehen (§. 6> dies war aber im-mer auf einer Basis, wo die Bläschen Wasser herga-ben, welches nach und nach gefror. In den Gewölkcnaber giebt es keine solche Basis und man könnte sich keineandre erdenken, als sehr kalte Schneeflocken, aufwei-chen das Wasser sich anhäuft und gefriert. Diese Gat-tungen von Quasten umfassen, im Fallen, einen weitgrößern Raum, als dieselbe Menge in Tropfen gesam-meltes Wasser thun würde und sie fallen auch weit lang-samer: dadurch begreift man, daß sie sich beym Durch-geh» durch das Gewölk, mit Glatteis bedecken können.
§ 641.
Wo bildet sich aber ein so kalter Schnee und diesin einer Jahrszeit da der gewöhnliche Schnee sich nichtbildet? In meiner Untersuchung über die Modifika-tionen der Atmosphäre (§.7 1 g.) hatte ich bey Erklärungdes Hagels durch dieselbe unmittelbare Ursache voraus-gesetzt: daß die Schneeflocken sich in sehr hohen Gegen-den bildeten, aus denen sie sehr kalt herabfielen; aberaus mchrern Betrachtungen und Beobachtungen habe ichdiese Idee aufgegeben. Wenn die Dünste sich in Ge-genden erheben könnten, wo sie mitten im Sommer in
H 2 Schnee