Druckschrift 
Das verborgene Leben mit Christo in Gott : aus den Schriften Johann von Bernieres-Louvigni gesammelt ... [v. G. Tst]
Entstehung
Seite
193
Einzelbild herunterladen
 

ruhig und muthlos wird, kcnut Gottes Gütenicht.

88. Hüte dich, daß du dir keine fremdeGuter zueignest. Wenn zwischen zwei FreundeFriede herrschen soll, so muß jeder mit demSeinigen zufrieden seyn. Gott gehört Allee,dir aber Nichts. Bleibe du bei deinem Nichte,so hast du Friede mit Gott.

89. Wo Demuth ist, da ist auch Licht. Dennder Demüthige erkennt die Wahrheit, daß GottAlles ist, und alle Geschöpfe eitel Nichts sind.Und da er im Lichte dieser großen Wahrheit

^ wandelt, so denkt er nur an Gott, han-delt nur für Gott. Aber, o wie selten istdiese Erkenntniß, die allein wahrhaft demüthigeMenschen bildet! Die Blindheit und Unwissen-heit des Menschen beschäftigt sich immer nurmit sich selbst, oder mit andern Geschöpfen, alswenn sie wichtige große Dinge wären. Gottaber liegt ihm so wenig im Sinne, als wennEr nicht wäre.

9V. Du möchtest wissen, wie ferne du nochpon Gott bist? Laß einmal sehen, wie fernedu noch vom Leben und Wandel Jesu Christibist, dem du nicht ähnlich werden, vielwcnigerähnlich bleiben kannst ohne immerwährendesSterben und Vcrläugncn alles dessen, was Fleischund Welt liebt.

91. Das Verderblichste ist, den Bewegun-gen GottcS nicht mit Trene und Heldenmuthfolgen.

92. Das Streben des geistigen Menschenist ganz dahin gerichtet, täglich ärmer zu wer-

9