—■X 334 >f
geschäfte, zunächst die Einzahlung des Aktienkapitals, ferner die Zinsen-bezw. Dividendenzahlungen Eichborn & Co und stand mit diesen mehrereJahre in lebhaftem Verkehr. Als sie später an die Oberschlesische Eisen-bahn überging, nahm diese deren Geschäfte dann natürlich in eigene Regie.
Diese ersten Eisenbahnanlagen sind für den Breslauer Handel vongroßem Vorteil gewesen. Da sie zunächst ihr Ende in kleinen Provinzial-städten erreichten, haben sie nämlich auf den Verkehr der Provinz mitihrer Hauptstadt in sehr belebender und fördernder Weise eingewirkt. Alssich dann aber das Schienennetz über ganz Mitteleuropa auszubreiten begann,ist die Eisenbahn derjenige wirtschaftliche Faktor geworden, der den letztenvernichtenden Schlag gegen den großen Breslauer Warenhandel geführt hat.Hatte früher, wie wir gesehen haben, der Vorteil der Lage am Zusammenflüssealler Zufuhrwege aus dem Osten Breslau zum natürlichen Stapel- undMarktplatz für die von dort eingehenden Waren gestempelt, so machte jetztder direkte Verkehr der Ursprungs- mit den Verbrauchsländern, zumal ernoch durch Differenzialtarife begünstigt wurde, eine Lagerung der Warenin Breslau unrentabel. Und hierzu kam der Verlust des letzten Restes,der sich von dem ehemaligen großen Exporthandel nach dem Osten er-halten hatte.
Am 6. November 1846 ging der bisherige Freistaat Krakau aufGrund eines zwischen Rußland, Preußen und Österreich geschlossenenVertrages an letzteres über und wurde trotz aller Bemühungen seitensBreslaus 1 ) in den österreichischen Zollverband einbezogen. Die durch dieWiener Schlußakte des Jahres 1815 festgesetzte Handelsfreiheit des KrakauerTerritoriums hörte damit auf, und Schlesien verlor sein letztes Hinterland.Der Breslauer Handel berechnete seinen Schaden auf Millionen und trägtnoch heute an dem Verluste, den er damals erlitt. Schlesien hat seitdeman den preußischen Staat eine große Forderung, die einzig durch einedirekte Eisenbahnverbindung mit dem Osten abgetragen werden kann, unddie aus dem Verlangen nach Gerechtigkeit wie aber auch aus bittersterNotwendigkeit heraus immer und immer wieder, wie erst gelegentlich der
p. 231 ff.
!) Näheres hierüber siehe vor allem Stein, Geschichte der Stadt Breslau im XIX. Jahrhundert,