Druckschrift 
Das Soll und Haben von Eichborn & Co in 175 Jahren : ein schles. Beitr. zur vaterlaendischen Wirtschaftsgeschichte
Entstehung
Seite
80
Einzelbild herunterladen
 

K 80

Die außerordentlich lebhafte Inanspruchnahme der Dienste derFirma für das Warenkommissionsgeschäft, die besonders im neunzehntenJahrhundert zu immer größerer Ausdehnung dieser Abteilung führte,hat bald, da die verschiedenen gemieteten Räumlichkeiten nicht mehrausreichten, die Errichtung eines eigenen großen Speichers auf derWallstraße zur Folge gehabt, der sich noch heute im Besitz der Firmabefindet.

Besonders stark war die Zufuhr russischer, polnischer, galizischerund ungarischer Wollen, die zeitweise zu vielen tausend Ballen dasMagazin füllten, meist aber schlanken Absatz fanden. Namentlich Brodyund Pest sandten große Posten schöner Wollen nach Breslau. Dochauch die geringeren Sorten, Zackel- und Zwisten-Wollen aus denDonauländern, zur Herstellung von Filzwaren und Decken bestimmt,ferner Roß-, Kamel-, Ziegen-, Kuh- und Kälberhaare waren in denLagerräumen der Firma anzutreffen, insgleichen Felle, rohe Schafspelze,Häute, Borsten, Talg, Pottasche, Terpentinöl etc., Feldfrüchte aller Artsogar, namentlich Mais aus Odessa, ferner Kleesamen, Leinensamen,Hanf-, Raps-, Sonnenblumensamen, Senfsamen, Fenchel, Mohn,Kapern, Nüsse, Kanthariden wurden Eichborn & Co zum Verkauf gesandt.Zucker, Kaffee etc., die von Hamburg, Bremen und Amsterdam hier inKommission gegeben wurden, sind später durch Vermittelung derAgenten der Warenhäuser in jenen Plätzen auf Proben hin direkt inBreslau verkauft worden. Der Absatz in Zucker hat hierbei mit der Zeitinfolge der Konkurrenz der 1771 mit dem Gelde der KretschmerschenArmen-Posteritäts-Kasse errichteten Breslauer Zuckersiederei einige Ein-schränkung erfahren. Mit der Hirschberger Zuckerraffinerie standenEichborn & Co, wie hier beiläufig bemerkt sein mag, selbst in direkterVerbindung.

So bietet die Kommissionsabteilung der Firma im kleinen ein Bildvon dem immer noch umfangreichen Handelstreiben Breslaus damaligerZeit, läßt uns zugleich aber auch die allmählige Entwickelung Ober-schlesiens und der heimischen Montanindustrie verspüren. Denn eineReihe von Jahren hindurch befand sich von Oberschlesien hergelegt undunterhalten ein gut assortiertes Lager von Stangeneisen in den Händen