das Salzmonopol den galizischen Steinsalzhandel 1 ) vernichtet — aber dieglänzende natürliche Position Breslaus auf der Grenzlinie „der reich ent-wickelten westlichen und der viel einförmigeren, noch unvollkommenentwickelten östlichen Hälfte“ Europas und der durch einen großenGebirgswall getrennten nördlichen und südlichen Teile Deutschlands 2 )war davon nicht berührt worden, sondern übte mit Unterstützung deralten Niederlags- und Stapelgerechtigkeit ihren zu einer bedeutenden Ver-mittlertätigkeit geradezu zwingenden Einfluß unerschüttert nach wie vor aus.
Noch kamen immer die Karawanenzüge aus Polen, Ungarn,Rußland, Siebenbürgen mit ihren mannigfachen Landesprodukten alsJuchten, Talg, Pelzwerk, Rauchleder, Wachs, Honig usw. nach Breslau,um diese hier in Befriedigung der ganzen Notdurft ihrer Heimatsländergegen die Produkte des kultivierteren Westens, wie Tuch, Seide, Wolle,Nürnberger Waren einzutauschen, und schufen dadurch in Breslau einständiges Messeleben voll bunten Treibens und reichen vorteilhaftenHandelsverkehrs 3 ). Es kann also in Übereinstimmung mit dem alten
1) Siehe Landes-Memorial vom 15. Januar 1728 (B-A, 17): Durch das Verbot der freienSteinsalzeinfuhr sind die polnischen Bauern und die benachbarten schlesischen Städte arg im Handelgeschädigt worden. Die schlesische Wolle hat ihren Vorzug eingebüßt, weil die Schafe nicht mehrhinreichend mit dem Steinsalz, welches die Wolle fein und körnig macht, gefüttert werden können.Vgl. auch von Klöber, von Schlesien vor und seit dem jar 1740 (Freiburg 1788) II, p. 275: „Manschreibt dem gebrauch des in seinen bestandteilen mit etwas bergöl und bitumen vermischten Stein-salzes die gute feine und geschmeidige eigenschaft der wolle in Schlesien zu.“ — Das Jahr 1730bringt weitere Klagen der Volksvertretung an das Königliche Oberamt in Breslau wegen der gänzlichuntersagten freien Salzeinfuhr, durch welches Verbot die ganze Landwirtschaft ruiniert werde etc.(B-A, 18). — Im Jahre 1731 hören wir dann von der fortschreitenden und zunehmenden Einschmuggelungpolnischen Salzes (B-A, 19); der bereits 1724 hiergegen veröffentlichte Erlaß scheint also wenig Erfolggehabt zu haben.
2) Über diese bedeutungsvolle Weltlage Breslaus und Schlesiens siehe Partsch, Schlesien,Breslau 1896 I, 21 ff.
3 ) „Und da daßjenige, was sie uns zuführten, bei weiten nicht so viel betrug, als sie vonuns einkauften, so brachten sie auch außerdem, was Sie unterwegens verzehrten, sehr ansehnlicheSummen Oeldes ins Land. Besuchten Sie ja fremde Messen, so geschähe solches nur alsdann, wennsie bei uns schon zu Markte gewesen waren, und gewisse Bedürfnissen nicht hatten erhalten können.Selbst in diesem Falle ließen sie uns ihre dazu destinirten baaren Gelder. Wir gaben ihnen dafürAnweisung auf andere Plätze. Wir zogen auf solche Weise unsere Gelder, welche wir anderwärtsstehen hatten, nicht nur ohne Gefahr und Kosten ins Land, sondern wir erhielten nach dazu gewisseProvisiones für unsere Briefe. Und endlich ließen auch die Pohlen und Russen die anderwärts ein-gekaufte Waaren durch uns spediren.
Dieses Verkehr nun hatte einen so gesegneten Einfluß auf ganz Schlesien, daß jeder Standdabei sein hinreichend Auskommen hatte. Man hörte zum Exempel bei dem fleißigen Landmann keineKlagen. Der Bier und Branntwein Urber stund nie stille. Die Wirthshäuser hatten von Frembden,welche bei ihnen einkehrten, stündlichen Zuspruch. Die Professionisten auf dem Lande nährten sich