Friedrich Wilhelm III. — vom Schicksal berufen, nach har-ker Leidensschule, das Vaterland aus der dunkeln Nacht, in die esein schweres Geschick gestürzt, durch mannhaften Kampf, durchGlauben und Vertrauen zu neuem und höherm Glänze zu erhe-ben — Friedrich Wilhelm III. wurde am 3. August 1770 gebo-ren. Das Genie des großen Friedrich waltete damals noch überPreußen, als Friedrich Wilhelm das Licht der Welt erblickte. SeinVater, der damalige Kronprinz Friedrich Wilhelm II., war derNeffe Friedrichs des Großen und zum zweiten Male vermahlt, am14. Juli 1769, mit der Prinzessin Friederike Louise von Hessen-Darmstadt, welche von ihm an dem schon genannten 3. August1776 Mutter Friedrich Wilhelms III., des hochgespielten Vatersdes Vaterlandes, wurde.
Als Friedrich der Große seinen dereinstigen Nachfolger zumersten Mal erblickte, da glänzte in dem Auge des Einzigen eineFreudcnthrane, und er weihte durch feierlichen Kuß das Kind zuseiner erhabenen Bestimmung. Aber auch später, als das könig-liche Kind mehr herangewachsen war, blieb es Liebling des großenFriedrichs, denn es zeigte Much, Kraft, Geistesgröße und Charak-terfestigkeit bereits in den zartesten Jahren.
Die Anekdote mit dem Balle ist weltbekannt, aber darf hiernicht übergangen werden, da sie so treffend beweist, wie schon indem zartesten Alter sich des Knaben königlicher Geist entfaltete.Friedrich der Große liebte nämlich die Kinder sehr und erlaubtedaher den Söhnen des Kronprinzen (seines Neffen, des nachherigenKönigs Friedrich Wilhelm II.) zu jeder Zeit in sein Kabinet zukommen. Eines Tages war er gerade mit einer wichtigen Arbeitbeschäftigt, als der älteste jener Prinzen (also der nachherige Fried-rich Wilhelm III.) zu ihm kam und um seinen Stuhl her Ballspielte. Der Ball siel auf den Schreibtisch des Königs, welcherihn nahm, dem königlichen Knaben wieder zuwarf und dann fort-fuhr zu schreiben. Der kleine Prinz aber fuhr fort zu spielen,und der Ball siel zum zweiten Male auf den Tisch. Der Königwarf ihn nochmals zurück, blickte den kleinen Spieler mit ernsterMiene an, und dieser versprach, es solle so etwas nicht wieder vor-kommen. Endlich siel der Ball zum dritten Male auf den Tisch