Druckschrift 
Wilhelm Bassermann, 1744 - 1811, Kaufmann in Heidelberg, und seine Nachkommen : beiträge zur Bassermann'schen Familiengeschichte
Entstehung
Seite
39
Einzelbild herunterladen
 

39

trage der Bürgerschaft gegen die städtische Verwaltung beimKurfürsten einreichten. Die Beschwerdeschrift beginnt initeiner allgemeinen Darlegung der öffentlichen und Privat-verhältnisse der Bürgerschaft. Die häusliche und städtischeWohlfahrt sei am Rand des gänzlichen Verfalles. Auf dengemeinen Einkünften hafteten große Schulden; eine ungeheureSteinmasse eines Tores habe ungeheure Summen verschlungen,die zudem in die Säckel räuberischer Hände kämen; die Kassender Zünfte würden gebrandschatzt, die Magistrats- und andereStellen gleichsam in öffentlichem Ausrufe an den Meistbietendenverkauft, die gemeinen Waldungen, die Seele der städtischenEinkünfte, verwahrlost und beraubt. Die bürgerlichen Gewerbeseien gelähmt durch Eingriffe, die Sportelsucht treibe ihrUnwesen; die Befreiung von bürgerlichen Lasten werde er-schlichen, verkauft oder durch Ersteigerung solcher städtischerStellen, mit denen diese Freiheiten verknüpft seien, erworben.Das seien Züge aus dem Gemälde des traurigen Zustandes,in welchem sich die Stadt befand, als Hofgerichtsrat Traitteurdie Verwaltung ihrer Direktion übernahm; mutlos und mitstumpfem Sklavensinn sehe der Bürger dem Verfalle seinerhäuslichen und bürgerlichen Glückseligkeit zu; just sei es aufdas Höchste gekommen.

Durch kurfürstliches Reskript voni 30. Oktober 1789erhielt der Hofgerichtsrat Wrede den Auftrag, die Unter-suchung zu Pflegen und s. Zt. ein Gutachten einzusenden. Diein der Beschwerdeschrift unterzeichnete Deputation der Bürger-schaft mußte Bevollmächtigte stellen. Unter denselben warder Dreikönigwirt Friedrich Daniel Bassermann. Die Unter-suchung dauerte bis zum Frühjahr 1791; am 17. April 1791wurde Bescheid erteilt, der einen Teil der Beschwerden fürbegründet erklärte.

Allein die Beschwerden hörten nicht auf und die Depu-tation der Beschwerdeführer löste sich nicht auf. Dem Stadt-rate gefiel dies wenig; er wandte sich an den Kurfürsten undwurde bei ihm vorstellig: Die Deputation, aus 23 Bürgern